04.05.2017 - Fed hält sich mit Blick auf Zinsschritt im Juni bedeckt

anlassbezogen

Kernaussagen:

•    Stellungnahme fast wortgleich mit der von Mitte März
•    Schwacher Zuwachs der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal wird relativiert
•    Neben dem Vollbeschäftigungsziel nun auch Inflationsziel quasi erreicht
•    Mit Blick auf mögliche Zinsanhebung im Juni alle Optionen offen

Marktreaktion: Die Märkte reagierten kaum auf die Zinsentscheidung. Sowohl EUR/USD als auch US-Staatsanleihen zeigten sich kaum beeindruckt. Dies ist insofern etwas überraschend, als dass die gemäß Fed Funds Futures implizierte Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung im Juni in Reaktion auf die geldpolitische Stellungnahme laut Bloomberg von 60 % auf 97 % sprang.

Zusammenfassung: Die Stellungnahme im Anschluss an die gestrige Zinsentscheidung fiel fast wortgleich zu der von Mitte März aus. Wie im vorletzten Monat wird die gute Arbeitsmarktentwicklung hervorgehoben. Der schwache Zuwachs des realen Bruttoin-landsproduktes im ersten Quartal wird relativiert, die enttäuschende Entwicklung der privaten Konsumausgaben wird als Ausrutscher charakterisiert, der merkliche Zuwachs bei den Investitionen dagegen betont. Die wesentliche Änderung gegenüber der letzten Stellungnahme liegt in der Beschreibung der Inflationsentwicklung. Während im März noch gesagt wurde, die Inflationsrate sei in den letzten Monaten angestiegen und habe sich dem 2 %-Ziel der Notenbank genähert, heißt es nun, die Inflationsrate habe sich zuletzt nahe am Ziel der Notenbank bewegt. Die Währungshüter gehen weiter davon aus, dass die Wirtschaft auch bei einer weiteren maßvollen Anpassung der geldpolitischen Ausrichtung, d.h. weiteren Zinsanhebungen moderat wachsen wird. Mit Blick auf die Inflation stellen die Mitglieder des FOMC fest, dass diese sich mittelfristig beim Zielwert von 2 % stabilisieren werde.
Die Risiken für ihren Konjunkturausblick geben die Währungshüter unverändert mit „ziemlich ausgeglichen“ an.

Einschätzung: Wie erwartet bleiben die Währungshüter in ihrer Stellungnahme zur Zinsentscheidung so unverbindlich wie möglich. Die leicht adaptierten Aussagen zur Inflation würden wir so werten, dass die Mitglieder des geldpolitischen Rates das Notenbankziel als mehr oder weniger erreicht ansehen. Etwas überrascht sind wir von den unveränderten Passagen zum Arbeitsmarkt. Die Aussage: „… die Lage am Arbeitsmarkt wird sich noch etwas weiter verbessern…“ auch bei einer weiteren vorsichtigen Anpassung der geldpolitischen Ausrichtung, sprich bei weiteren graduellen Zinsanhebungen, impliziert, die Lage am Arbeitsmarkt sei noch verbesserungswürdig. Angesichts des Rückgangs der Arbeitslosenquote auf 4,5 % im März und damit quasi auf den Tiefstwert des letzten Konjunkturaufschwungs sowie des Rückgangs der Unterbeschäftigungsquote auf 8,9 % - dies entspricht dem Durchschnitt der Jahre 1994 bis 2007 – muss der Arbeitsmarkt spätestens jetzt aber als voll ausgelastet angesehen werden. Gestützt wird diese Einschätzung durch den seit mehr als zwei Jahren zu beobachtenden Aufwärtstrend beim Lohnzuwachs bzw. den Arbeitskosten. Eine weitere Verbesserung der Arbeitsmarktlage kann damit eigentlich nur eine Entwicklung in eine Überauslastung bzw. Überhitzung am Arbeitsmarkt bedeuten. Es bleibt zu hoffen, dass die Notenbanker sich nicht in einer gut gemeinten Feinjustierung einzelner weniger spezieller Indikatoren verzetteln und darüber das große Ganze aus dem Blick verlieren, das da wäre: Vollbeschäftigung und Preisstabilität sind erreicht.
Die Stellungnahme enthält zwar keinerlei Hinweise auf einen Zinsschritt im Juni, sie ist allerdings so formuliert, dass eine Zinsanhebung bei entsprechender Entwicklung der Konjunkturdaten nicht sehr überraschend käme. Hierauf deuten insbesondere die mehrfache Relativierung der schwachen Entwicklung der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal hin sowie die Beibehaltung der Neigung zu weiteren Zinsanhebungen.

Wir nehmen die Notenbank wörtlich und würden tatsächlich davon ausgehen, dass mit Blick auf die Juni-Zinssitzung noch keinerlei Entscheidung getroffen wurde. Vielmehr werden die Mitglieder des FOMC die Daten der nächsten sechs Wochen abwarten und dann entscheiden. Wir gehen davon aus, dass die Daten am Ende so gut ausfallen werden, dass sich die Währungshüter zu einer Zinsanhebung entschließen werden. Besonders großes Gewicht fällt dabei den beiden bis dahin noch anstehenden Arbeitsmarktberichten zu. Für beide Berichte, insbesondere aber für den am Freitag zur Veröffentlichung anstehenden Bericht für April sind wir sehr optimistisch gestimmt. Behalten wir mit unserer Einschätzung eines Stellenaufbaus von deutlich über 200 Tsd. recht, wäre wohl eine wichtige Hürde auf dem Weg zur nächsten Zinsanhebung aus dem Weg geräumt.

Anleiheempfehlung: Wie gesagt rechnen wir schon für Juni mit der nächsten Zins-anhebung. Darüber hinaus besteht eine relativ große „Gefahr“, dass die zu erwartenden wirtschaftspolitischen Beschlüsse der Regierung Trump spätestens für das nächste Jahr zumindest einen gewissen positiven zusätzlichen konjunkturellen Impuls liefern werden. Wir halten es daher für wahrscheinlich, dass die Fed den Leitzins bis Ende 2018 deutlich stärker anheben wird als derzeit von den meisten Marktakteuren erwartet. Die Rendite 2-jähriger und 10-jähriger amerikanischer Staatsanleihen sollte daher vom aktuellen Niveau aus über die nächsten Monate per Saldo steigen.

 
Risikohinweise und Aufklärungen
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Das gilt auch für Interessen und Interessenkonflikte von Personen, die zwar nicht an der Erstellung der Finanzanalyse beteiligt waren, die aber vor Veröffentlichung der Finanzanalyse Zugang zu dieser hatten oder hätten haben können.


Anleihen
            
Verteilungen von kurzfristigen Empfehlungen (der dieser Publikation unmittelbar vorausgehenden 3 Monate)
Anlageempfehlung    Basis: alle analysierten Staatsanleihen
Kauf    21%
Halten    56%
Verkauf    23%
Keine Empfehlung    0%
 

Historie der kurzfristigen Empfehlungen (der dieser Publikation unmittelbar vorausgehenden 12 Monate)

Datum    10J US Treasury    2J US Treasury
05.09.2016    Verkauf    Verkauf
01.07.2016    Verkauf    Verkauf
27.05.2016    Verkauf    Verkauf
24.06.2016    Verkauf    Verkauf
01.07.2016    Verkauf    Verkauf
02.09.2016    Verkauf    Verkauf
23.09.2016    Verkauf    Verkauf
11.11.2016    Halten    Halten
25.11.2016    Halten    Halten
16.12.2016    Halten    Halten
09.01.2017    Halten    Halten
13.01.2017    Verkauf    Halten
03.03.2017    Halten    Verkauf
10.03.2017    Halten    Verkauf
07.04.2017    Verkauf    Verkauf
Quelle: RBI/Raiffeisen RESEARCH  

 

Disclaimer Finanzanalyse

Für die Erstellung dieser Publikation verantwortlich: Raiffeisen Bank International AG („RBI“)

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EU-VERORDNUNG NR. 833/2014 ÜBER RESTRIKTIVE MASSNAHMEN ANGESICHTS DER HANDLUNGEN RUSSLANDS, DIE DIE LAGE IN DER UKRAINE DESTABILISIEREN

Bitte beachten Sie, dass sich die Analysen und Empfehlungen nur auf Finanzinstrumente beziehen, die nicht von Sanktionen gemäß EU-Verordnung Nr. 833/2014 über restriktive Maßnahmen angesichts der Handlungen Russlands, die die Lage in der Ukraine destabilisieren, in der geltenden Fassung betroffen sind. Das sind Finanzinstrumente, die vor dem 1. August 2014 begeben wurden.

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Herausgeber und Redaktion dieser Publikation
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Grundlegende inhaltliche Richtung dieser Publikation
- Analyse zu Volkswirtschaft, Zinsen und Währungen, Staatsanleihen und Unternehmensanleihen, Aktien sowie Rohstoffen mit den regionalen Schwerpunkten Eurozone sowie Zentral- und Osteuropa unter Berücksichtigung der globalen Märkte.
- Die Analyse erfolgt unter Einsatz der unterschiedlichen Analyse-Ansätze: Fundamentaler Analyse, quantitativer Analyse und/oder technischer Analyse.

Autor: Jörg ANGELE, RBI Wien
Editor: Matthias REITH, RBI Wien

Hersteller dieser Publikation
Raiffeisen Bank International AG
Am Stadtpark 9, A-1030 Wien

Zeitpunkt der Erstellung dieser Publikation: 04.05.2017 08:50 (MESZ)
Zeitpunkt der erstmaligen Weitergabe dieser Publikation: 04.05.2017 08:51 (MESZ)

Peter Brezinschek

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