06.06.2017 - US-Beschäftigung enttäuscht im Mai/Arbeitslosenquote sinkt

 

Das Bureau of Labor Statistics gab heute bekannt, dass die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft im Mai um 138.000 angestiegen ist. Damit wurde sowohl die Konsensschätzung als auch unsere Erwartung deutlich nach unten verfehlt. Auch wurde der Anstieg für April und März in Summe um 66.000 Stellen nach unten revidiert. Die Arbeitslosenquote im Mai ging nochmals zurück und liegt nun bei 4,3 %.

Marktreaktion: US-Staatsanleihen verzeichneten Gewinne, die Rendite für 10-jährige Papiere sank um 3 Basispunkte auf 2,18 %. Der Dollar kam unter Druck und verlor zum Euro 0,5 Cent auf 1,127 EUR/USD.   

Einschätzung: Der Beschäftigungszuwachs im Mai ist eine Enttäuschung, insbe-sondere in Kombination mit der merklichen Abwärtsrevision der Vormonatsergebnisse. In den letzten drei Monaten steht damit nur noch ein durchschnittliches Beschäftigungsplus von 121.000 zu Buche. In den zwölf Monaten zuvor waren es durchschnittlich 194.000. Es zeichnet sich ab, dass die Beschäftigungsdynamik ihren Zenit im Jahr 2015 überschritten hat. Setzt sich die Entwicklung der letzten zwei Jahre fort, dürfte sich das durchschnittliche monatliche Beschäftigungsplus bis zum Jahresende auf 150.000 reduzieren. Nichtsdestotrotz dürfte es weiterhin einzelne Monate mit einem Zuwachs jenseits der 200.000 geben. Besorgniserregend ist diese Entwicklung insbesondere deswegen aber nicht, weil sie nicht auf eine sinkende Nachfrage nach Arbeitskräften zurückzugehen scheint. Vielmehr scheint es für viele Unternehmen immer schwieriger zu sein, mangels qualifizierter Arbeitskräfte offene Stellen zu besetzen. Der offensichtliche Rückgang der Trendzunahme der Beschäftigung ist auch aus einem zweiten Grund unproblematisch: Gemäß Schätzungen verschiedener regionaler Federal Reserve Notenbanken reicht derzeit ein monatliches Beschäftigungsplus von weniger als 100.000, um den Arbeitsmarkt im Gleichgewicht zu halten, sprich die Arbeitslosenquote auf dem aktuellen Niveau zu fixieren.

Abgesehen vom Stellenaufbau haben sich im Mai die meisten anderen Indikatoren des Arbeitsmarktberichtes positiv entwickelt. So hat die Zahl der Beschäftigten laut Haushalts-umfrage zwar um 233.000 abgenommen. Gleichzeitig ging allerdings die Zahl der Arbeitslosen ebenfalls um 195.000 zurück. Die Partizipationsquote nahm auf 62,7 % ab. In der Folge sank die Arbeitslosenquote und liegt nun nur noch bei 4,3 %. Damit ist das letzte zyklische Tief aus dem vierten Quartal 2006 bzw. dem ersten Quartal 2007 bereits unterschritten. Gleichzeitig hat die von Fed-Präsidentin Janet Yellen oft angeführte Unterbeschäftigungsquote erneut 0,2 Prozentpunkte auf 8,4 % nachgegeben, in erster Linie, weil die Zahl der unfreiwillig in Teilzeit beschäftigten Arbeitnehmer erneut gesunken ist (-53.000). Mit 8,4 % liegt die Unterbeschäftigungsquote inzwischen klar unter dem Durchschnitt der Jahre 1994 bis 2007 von 8,9 %. Auch die Zahl der entmutigten Arbeitskräfte, welche die Suche nach einer Anstellung aufgegeben haben, sank deutlich und liegt nun nahe ihrer letzten zyklischen Tiefststände.

Die durchschnittlichen Stundenlöhne legten um 0,2 % p.m. und damit etwas stärker zu als von uns erwartet. Die Vorjahresrate blieb mit 2,5 % konstant. Im Juni und Juli dürfte das Lohnplus wegen eines günstigen Kalendereffekts bei jeweils 0,3 % p.m. liegen. Die Vorjahresrate sollte dann auf 2,7 % klettern.

Implikationen Geldpolitik: Die heute vermeldeten Zahlen zum Arbeitsmarkt werden die Fed kaum davon abhalten, den Leitzins am 14. Juni anzuheben. Die abflauende Dynamik beim Stellenaufbau dürfte den Währungshütern sogar gelegen kommen. Wie erwartet sind die demografischen Kräfte nach wie vor groß und drücken die Partizipationsquote nach unten. Der Pool an zur Verfügung stehenden Arbeitskräften schrumpft also. Bei einer Arbeitslosenzahl von „nur“ noch 6,9 Millionen führt ein Beschäftigungszuwachs, der 60.000 über dem gleichgewichtigen Zuwachs – von angenommenen 90.000 – liegt, rechnerisch jeden Monat zu einem Rückgang der Arbeitslosenquote um


0,03 Prozentpunkte. Bei diesem Tempo läge die Arbeitslosenquote Mitte 2018 nur noch bei 3,8 %, was einem 49 Jahrestief entspräche. Es ist kaum vorstellbar, dass ein so starkes Unterschreiten der gleichgewichtigen Arbeitslosenquote ohne negative Konsequenzen für die Inflationsentwicklung bliebe. Wir gehen daher davon aus, dass die Fed den Leitzins in diesem und im nächsten Jahr mindestens so stark anheben wird, wie sie dies im März angekündigt hat.

Arbeitsmarktbericht

 

Mai

RBI

Konsens

April

März

Erwerbstätige insgesamt

138

215

176

174

50

 - Private Wirtschaft

147

-

-

173

59

    - Produzierendes Gewerbe

16

-

-

19

17

    - Dienstleistungssektor

131

-

-

154

42

 - Staat

-9

-

-

1

-9

Arbeitslosenquote, %

4.3

4.4

4.4

4.4

4.5

 Quelle: BLS, Bloomberg, RBI/Raiffeisen RESEARCH


 
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Sollte sich eine Bestimmung dieses Disclaimers unter dem jeweils anwendbaren Recht als rechtswidrig, unwirksam oder nicht durchsetzbar herausstellen, ist diese, soweit sie von den übrigen Bestimmungen trennbar ist, so zu behandeln, als wäre sie nicht Bestandteil dieses Disclaimers. In keinem Fall berührt sie die Rechtmäßigkeit, Wirksamkeit oder Durchsetzbarkeit der übrigen Bestimmungen.

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Raiffeisen RESEARCH – Verein zur Verbreitung von volkswirtschaftlichen Analysen und Finanzmarktanalysen ist als behördlich registrierter Verein konstituiert. Zweck und Tätigkeit des Vereins ist unter anderem die Verbreitung von Analysen, Daten, Prognosen und Berichten und ähnlichen Publikationen bezogen auf die österreichische und internationale Volkswirtschaft und den Finanzmarkt.

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- Analyse zu Volkswirtschaft, Zinsen und Währungen, Staatsanleihen und Unternehmensanleihen, Aktien sowie Rohstoffen mit den regionalen Schwerpunkten Eurozone sowie Zentral- und Osteuropa unter Berücksichtigung der globalen Märkte.
- Die Analyse erfolgt unter Einsatz der unterschiedlichen Analyse-Ansätze: Fundamentaler Analyse, quantitativer Analyse und/oder technischer Analyse.

Autor: Jörg ANGELE, RBI Wien
Editor: Stephan IMRE, RBI Wien

Hersteller dieser Publikation
Raiffeisen Bank International AG
Am Stadtpark 9, A-1030 Wien

Zeitpunkt der Erstellung dieser Publikation: 02.06.2017 16:04 (MESZ)
Zeitpunkt der erstmaligen Weitergabe dieser Publikation: 02.06.2017 16:06 (MESZ)

Peter Brezinschek

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