16.06.2017 - US: Fed erhöht Leitzins und kündigt baldige Bilanzreduzierung an

 

anlassbezogen


• Leitzinsspanne um 25 Basispunkte auf 1,00 % bis 1,25 % angehoben
• 2017 wird noch eine, 2018 werden drei Zinsanhebungen in Aussicht gestellt
• Einstieg in Bilanzreduzierung wohl schon auf einer der beiden nächsten Zinssitzungen      
• Anfängliches Reduzierungsvolumen USD 10 Mrd. pro Monat, bis Herbst 2018 Anstieg auf USD 50 Mrd.  

Marktreaktion: Der Dollar gewann in Reaktion auf die Zinsentscheidung zum Euro gut 1 Cent auf 1,115 EUR/USD. US-Staatsanleihen gewannen über alle Laufzeiten zunächst leicht hinzu. Inzwischen liegt die Rendite der 2-jährigen wie der 10-jährigen Anleihe wieder auf dem Niveau von vor der Zinssitzung bei 1,35 % bzw. 2,15 %.

Zusammenfassung: Wie erwartet erhöhte die US-Notenbank die Leitzinsspanne um 0,25 % auf 1,00 % bis 1,25 %. Der Beschluss fiel mit einer Gegenstimme, da der Präsident der Federal Reserve Bank von Minneapolis, Neel Kashkari, gegen die Anhebung stimmte. Die begleitende Stellungnahme zur Zinsentscheidung unterscheidet sich von derjenigen aus dem Mai im Wesentlichen in den Aussagen zur Wiederanlage fällig werdender Anleihen im von der Notenbank gehaltenen Anleiheportfolio. So solle noch in diesem Jahr damit begonnen werden, die Wiederveranlagung fällig werdender Anleihe zu reduzieren und so den Abbau der Notenbankbilanz zu starten. Die Einschätzung zur Konjunktur ist erneut positiv. So wird konstatiert, der Arbeitsmarkt habe sich weiter verbessert, und private Konsumausgaben sowie Investitionen hätten angezogen. Der Beschäftigungszuwachs der letzten Monate wird als solide beschrieben. Die Risiken für den kurzfristigen Konjunkturausblick werden erneut als annähernd ausgeglichen charakterisiert.
Gemäß der ebenfalls veröffentlichten, neuen Projektionen zum erwarteten Leitzinspfad hält die Mehrheit der Währungshüter in diesem Jahr eine weitere Zinsanhebung um 0,25 % für angemessen. 2018 soll es wie bisher drei Zinsschritte geben. Für 2019 deutet der erwartete Leitzinspfad weiter auf drei bis vier Zinsschritte hin. Der Leitzins läge damit Ende 2018 bei 2,00 % bis 2,25 %, Ende 2019 dann bei knapp 3 %. Der langfristig als neutral angesehene Leitzins wird wie im März bei 3,00 % gesehen.
Die Projektionen für die Zunahme des realen Bruttoinlandsproduktes und die Inflationsrate für die Jahre 2018 und 2019 wurden unverändert belassen. Reduziert wurde dagegen jeweils die erwartete Arbeitslosenquote. Ende 2018 und Ende 2019 soll diese nun bei 4,2 % liegen (zuvor: 4,5 %). Dies sind 0,4 Prozentpunkte weniger als die als langfristig neutral angesehene Quote, die von 4,7 % auf 4,6 % gesenkt wurde.
Während der Pressekonferenz betonte Frau Yellen mehrfach, wie wichtig das Erreichen des Inflationsziels für die Mitglieder des geldpolitischen Rates sei. Sie sagte aber auch, die zuletzt eher schwachen Inflationsdaten gingen größtenteils auf Einmaleffekte bei den Preisen für Mobilfunktarife sowie bestimmte Medikamente zurück. Diese dämpfenden Effekte würden aber im Frühling 2018 wieder aus der Berechnung der Inflationsrate herausfallen.
Präsidentin Yellen stellte außerdem zweimal klar, sie halte den Arbeitsmarkt schon jetzt für angespannt („tight“). Hierauf deutete eine ganze Reihe von Arbeitsmarktindikatoren hin.  
Mit Blick auf den noch für dieses Jahr in Aussicht gestellten Einstieg in die Reduzierung der Notenbankbilanz sagte Frau Yellen, der Startschuss hierfür könnte schon recht bald fallen. Ganz klar ist schon, wie der Abbau ablaufen soll. Zunächst wird die Wiederveranlagung fälliger US-Staatsanleihen um USD 6 Mrd. reduziert. Bei den fällig werdenden Hypothekaranleihen beträgt der Abschlag zunächst USD 4 Mrd. Alle drei Monate sollen diese Beträge um je USD 6 Mrd. bzw. USD 4 Mrd. erhöht werden und zwar so lange, bis bei den Staatsanleihen ein Betrag von USD 30 Mrd. erreicht ist und bei den Hypothekaranleihen ein Betrag von USD 20 Mrd.    

Einschätzung: Unserer Meinung nach muss die Kommunikation von Fed Präsidentin Yellen für ihre Verhältnisse als „falkenhaft“ eingestuft werden. Zwar sagte sie mehrfach, wie wichtig die Erreichung des Inflationsziels sei. Allerdings stellte sie auch mehrmals klar, dass die jüngst eher schwachen Inflationsdaten nicht überbewertet werden sollten, da sie zu einem großen Teil auf Einmaleffekten beruhten.
Gänzlich neu ist ihre Charakterisierung des Arbeitsmarktes als „tight“. Bisher hatte sie stets auf noch bestehendes Verbesserungspotenzial verwiesen. Ihre Aussage impliziert, dass jede weitere Verbesserung am Arbeitsmarkt nun gleichbedeutend mit einer Überhitzung ist, die mittel- und langfristig zu unerwünschten Ergebnissen führen kann. Unter anderem zu einer plötzlichen Zunahme des Inflationsdrucks. Nur weil die Inflation jetzt gering ist, heißt das nicht, dass sie nicht irgendwann spürbar anziehen kann. Die Wahrscheinlichkeit hierfür nimmt mit jedem weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote zu. Daher mahnte Frau Yellen erneut, es sei gefährlich, die Geldpolitik bei Zeiten nicht behutsam zu normalisieren, da man sich rasch in einer Lage befinden könnte , in der man den Leitzins in kurzer Zeit sehr deutlich anheben müsste, was letztendlich eine Rezession herbeiführen könnte.
Aus der Aussage Frau Yellens, die Reduzierung der Bilanzsumme „könnte recht bald starten“ lesen wir heraus, dass es bereits auf der nächstens FOMC-Sitzung Ende Juli oder auf der Sitzung im September grünes Licht gibt. Der Bilanzabbau dürfte dann im August oder Oktober starten. Die genannte Größenordnung für den Einstieg in die Bilanzreduzierung von in Summe USD 10 Mrd. pro Monat liegt am oberen Ende unserer Erwartungen. Das wohl im Sommer oder Herbst 2018 erreichte endgültige Reduzierungsvolumen von USD 50 Mrd. liegt sogar deutlich über unseren Erwartungen. Die von uns als realistisch angesehene Halbierung der Bilanzsumme auf circa USD 2,25 Bio. Wäre damit bereits im Verlauf des Jahres 2021 erreicht, statt Ende 2022/Anfang 2023.
Wir gehen nun davon aus, dass die Fed den Leitzins in diesem Jahr nur noch einmal anheben wird und zwar im Dezember. Im September dürfte es keine Zinsanhebung geben, da wohl der Einstieg in den Abbau der Notenbankbilanz an Stelle einer solchen treten wird. 2018 rechnen wir nun aber mit drei Zinsschritten statt wie bisher mit zweien.

Anleiheempfehlung: Erhöht die Fed den Leitzins bis Ende 2018 wie in den jüngsten Projektionen angedeutet, läge dieser dann bei 2,0 % bis 2,25 %. Also auf dem aktuellen Niveau der Rendite 10-jähriger Staatsanleihen. Dies wäre absurd, da es derzeit keinen Grund zur Annahme gibt, dass der Leitzins dann nicht noch weiter steigt. Wir denken, der Markt konzentriert sich derzeit zu sehr auf die zuletzt schwache Inflationsentwicklung. Angesichts eines bereits überausgelasteten Arbeitsmarktes sowie der nach wie vor bestehenden „Gefahr“ eines weiteren Anheizens der Konjunktur durch eine expansive Fiskalpolitik in den nächsten Jahren, ist diese aber völlig irrelevant. Es bestehen keinerlei Disinflations- oder gar Deflationsrisiken. Außerdem ist es sehr wahrscheinlich, dass er Preisdruck ab einem bestimmten Punkt der Überauslastung des Arbeitsmarktes rasch zunimmt. Zusätzlich wird das Angebot an langlaufenden Staatsanleihen über die nächsten Quartale angesichts des Bilanzabbaus der Fed stark zunehmen. In unseren Augen spricht dies in den nächsten Monaten alles für einen Anstieg der Rendite 10-jähriger amerikanischer Staatsanleihen.   
 


 
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Anleihen

Finanzinstrumente/Unternehmen    Datum der Erstveröffentlichung der Empfehlung
10J US Treasury    01.01.1989
            
Verteilungen von kurzfristigen Empfehlungen (der dieser Publikation unmittelbar vorausge-henden 3 Monate)
Anlageempfehlung    Basis: alle analysierten Staatsanleihen
Kauf    23%
Halten    60%
Verkauf    16%
Keine Empfehlung    0%
 

Historie der kurzfristigen Empfehlungen (der dieser Publikation unmittelbar vorausgehenden 12 Monate)

Datum    10J US Treasury
02.06.2017    Verkauf
26.05.2017    Verkauf
07.04.2017    Verkauf
10.03.2017    Halten
03.03.2017    Halten
13.01.2017    Verkauf
16.12.2016    Halten
25.11.2016    Halten
11.11.2016    Halten
23.09.2016    Verkauf
05.09.2016    Verkauf
01.07.2016    Verkauf
Quelle: RBI/Raiffeisen RESEARCH  

 

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- Analyse zu Volkswirtschaft, Zinsen und Währungen, Staatsanleihen und Unternehmensanleihen, Aktien sowie Rohstoffen mit den regionalen Schwerpunkten Eurozone sowie Zentral- und Osteuropa unter Berücksichtigung der globalen Märkte.
- Die Analyse erfolgt unter Einsatz der unterschiedlichen Analyse-Ansätze: Fundamentaler Analyse, quantitativer Analyse und/oder technischer Analyse.

Autor: Jörg ANGELE, RBI Wien
Editor: Matthias REITH, RBI Wien

Hersteller dieser Publikation
Raiffeisen Bank International AG
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Zeitpunkt der Erstellung dieser Publikation: 16.06.2017 08:42 (MESZ)
Zeitpunkt der erstmaligen Weitergabe dieser Publikation: 16.06.2017 08:45 (MESZ)

Peter Brezinschek

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