30.10.2017 - USA: Konjunktur trotzt im dritten Quartal Hurrikanen

 
anlassbezogen


Wie das Bureau of Economic Analysis (BEA) heute mitgeteilt hat, ist das reale Bruttoinlandsprodukt zwischen Juli und September einer ersten Schätzung zufolge gegenüber dem zweiten Quartal 2017 um annualisiert 3,0 % angestiegen. Das Ergebnis liegt leicht über den Erwartungen. Verglichen mit dem gleichen Quartal des Vorjahres wuchs die Wirtschaftsleistung um 2,3 %.   

Besonders gut entwickelten sich im dritten Quartal erwartungsgemäß die Ausrüstungsinvestitionen (+8,6 % p.q. ann.). Die Gewerbebauinvestitionen (-5,2 % p.q. ann.) verzeichneten dagegen ebenso einen merklichen Rückgang wie die Investitionen in Wohnbauten (-6,0 % p.q. ann.). Die privaten Konsumausgaben legten mit annualisiert 2,4 % p.q. etwas stärker zu als auf Basis der verfügbaren Monatsdaten zu erwarten gewesen wäre. Erneut leicht rückläufig war der Staatskonsum, der das dritte Quartal in Folge schrumpfte (-0,1 % p.q. ann.). Der Außenhandel lieferte einen rechnerischen Beitrag von 0,4 Prozentpunkten. Die Lagerinvestitionen erhöhten sich annualisiert um USD 36 Mrd. und lieferten damit einen Wachstumsbeitrag von 0,7 Prozentpunkten zum Anstieg des Bruttoinlandsproduktes.  

Marktreaktion:
Die Märkte reagierten nicht nachhaltig auf die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt.

Einschätzung:
Die heute vermeldeten Zahlen sind durch die Bank positiv. Sie zeichnen das Bild eines breit angelegten, sich selbsttragenden Aufschwungs. Mit Blick auf das Winterhalbjahr besteht aller Grund, weiter zuversichtlich zu sein.

Die privaten Konsumausgaben dürften gestützt durch eine ungebrochen kräftige Beschäftigungszunahme sowie steigende Reallöhne weiter zulegen. Im vierten Quartal dürfte noch ein Sondereffekt durch die Hurrikane dazu kommen. Schließlich müssen Zehntausende Haushalte von Grund auf neu eingerichtet werden. Sollte es im Zuge der geplanten Einkommenssteuerreform tatsächlich zu nennenswerten Entlastungen bei den privaten Haushalten kommen, würde dies den Konsum im Verlauf des nächsten Jahres zusätzlich anheizen.  

Die abermals rückläufigen Wohnungsbauinvestitionen sehen wir als Ausrutscher an, nicht als Beginn einer Schwächephase im Wohnungsbau. Es gibt zahlreiche anekdotisch Evidenz dafür, dass die Investitionen im Wohnungsbau zurzeit nicht aufgrund mangelnder Nachfrage, sondern wegen Engpässen bei Bauland und Arbeitskräften gebremst werden. Sprich, das Angebot kann mit der Nachfrage nicht mithalten. Auch könnte die Bautätigkeit zwischen Ende August und Mitte September in den von den Hurrikanen besonders betroffenen Bundesstaaten stark eingeschränkt worden sein. In den nächsten Quartalen werden die Wohnungsbauinvestitionen daher aller Voraussicht nach wieder spürbar zunehmen.

Bei den Gewerbebau- und Ausrüstungsinvestitionen schlägt voll die Erholung im Bereich Bergbau und Ölförderung durch. Diese dürfte angesichts des zuletzt wieder gestiegenen Ölpreises auch im laufenden Quartal tragen. Ohne den Bereich Bergbau und Ölförderung entwickelten sich die Gewerbebauinvestitionen ohnehin bereits seit Jahren in einem sehr stabilen Aufwärtstrend. Es gibt keinerlei Anzeichen, dass dieser in absehbarer Zeit abreißen könnte.

Rückenwind dürften in den nächsten Quartalen weiterhin die Lagerinvestitionen geben. Diese sind im dritten Quartal zwar schon angestiegen, für die aktuelle Lage im Konjunkturzyklus sind sie allerdings noch immer recht niedrig.   

Schließlich hellen sich mit der Abwertung des handelsgewichteten Dollar sowie der höheren globalen Konjunkturdynamik auch die Aussichten für die Exportwirtschaft auf. Der Außenhandel dürfte in den nächsten Quartalen damit rechnerisch tendenziell nur einen leicht negativen Wachstumsbeitrag liefern.

Wir gehen davon aus, dass das reale Bruttoinlandsprodukt im laufenden Quartal annualisiert erneut um rund 3 % p.q. zulegen wird. Für 2017 zeichnet sich damit eine Zunahme der Wirtschaftsleistung um 2,2 % oder 2,3 % und damit nur geringfügig weniger als die von uns seit Juni 2016 prognostizierten 2,4 % ab.

Implikationen Geldpolitik:
Die heute vermeldeten Zahlen dürften die US-Währungshüter in ihrer Annahme eines fortgesetzten, breit abgestützten Konjunkturaufschwungs bestätigen. Die Zunahme der Wirtschaftsleistung lag nun fünf Quartale in Folge bei oder über dem (von uns) angenommenen Potenzialwachstum von 1,5 % p.a. Die bisherigen Maßnahmen der Notenbank zur geldpolitischen Normalisierung zeitigen offenbar noch keinerlei dämpfende Wirkung. Früher oder später wird eine solche Dämpfung der Konjunktur aber notwendig werden, will man nicht sehenden Auges in eine Überhitzung von Konjunktur und Arbeitsmarkt laufen. Wir gehen daher davon aus, dass die Fed wie auf den beiden letzten Zinssitzungen avisiert mit der geldpolitischen Normalisierung fortfahren wird. Das heißt eine Zinsanhebung auf der nächsten Sitzung im Dezember sowie drei weitere Zinsanhebungen bis Ende 2018. Hiervon würde sie sich unserer Meinung nach auch nicht durch eine geringe Verfehlung ihres Inflationsziels abhalten lassen.    


Bruttoinlandsprodukt
preis- und saisonbereinigt, Veränderung gegen Vorquartal in Prozent, annualisiert


 * Wachstumsbeitrag in Prozentpunkten
Quelle: BEA, Bloomberg


 
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Autor: Jörg ANGELE, RBI Wien
Editor: Gottfried STEINDL, RBI Wien

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Zeitpunkt der Erstellung dieser Publikation: 27.10.2017 15:53 (MESZ)
Zeitpunkt der erstmaligen Weitergabe dieser Publikation: 27.10.2017 15:54 (MESZ)

Peter Brezinschek

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