06.11.2017 - US-Währungshüter bleiben auf Kurs für Zinsanhebung im Dezember

 anlassbezogen

Kernaussagen:
•    Verbesserte Konjunktureinschätzung
•    Einfluss der Hurrikans auf Wirtschaft und Inflation wird als vorübergehend eingeschätzt
•    Geldpolitische Ausrichtung wird weiter als akkommodierend betrachtet   
•    Es wird unverändert die Notwendigkeit weiterer Zinsanhebungen gesehen  

Marktreaktion:
Der Dollar reagierte mit geringfügigen Gewinnen auf die Zinsentscheidung zum Euro und gewann 0,2 Cent auf 1,161 EUR/USD. US-Staatsanleihen kamen über alle Laufzeiten leicht unter Druck. Die Rendite der 2-jährigen Anleihe legte 1 Basispunkt auf 1,61 % zu, die Rendite der 10-jährigen Anleihe stieg um 2 Basispunkte auf 2,37 %.

Zusammenfassung:
Wie erwartet beließ die US-Notenbank die Leitzinsspanne unverändert bei 1,00 % bis 1,25 %. Der Beschluss fiel einstimmig. An der Zinssitzung nahm erstmals Randal Quarles teil, der seit Mitte Oktober dem Fed-Board angehört. Die begleitende Stellung-nahme zur Zinsentscheidung unterscheidet sich von derjenigen vom September kaum. Die damaligen Aussagen zu den wahrscheinlichen Auswirkungen der Hurrikans Harvey, Irma und Maria wurden wiederholt. Die Währungshüter gehen nicht davon aus, dass die Stürme die konjunkturelle Entwicklung dauerhaft beeinträchtigen. Die Aussagen zur konjunkturellen Entwicklung klingen sogar optimistischer als vor sechs Wochen. So wird festgestellt, dass die Wirtschaft trotz der negativen Auswirkungen der Wirbelstürme zuletzt solide wuchs. Die Inflationsrate sei wegen der stark gestiegenen Kraftstoffpreise kurzfristig spürbar angestiegen, ohne Berücksichtigung der Energiepreise sei der Inflationsdruck aber nach wie vor nur schwach. Die Risiken für den kurzfristigen Konjunkturausblick werden erneut als annähernd ausgeglichen charakterisiert.

Einschätzung:
Das Ergebnis der gestrigen Zinsentscheidung entsprach unseren Erwartungen. Die Währungshüter scheinen mit Blick auf die konjunkturelle Entwicklung sowie den Arbeitsmarkt zufrieden zu sein. Tatsächlich ist die Beschreibung der konjunkturellen Entwicklung als solide die positivste Einschätzung seit einem Jahr. In den sieben Zinssitzungen zuvor wurde die Zunahme der Wirtschaftsleistung stets nur als moderat beschrieben.  Es herrscht nach wie vor große Zuversicht, das Inflationsziel von 2 % p.a. gemessen am Deflator des privaten Konsums mittelfristig zu erreichen. Wir teilen diese Einschätzung und würden sogar noch weitergehen. Die Arbeitslosenquote dürfte im Verlauf des nächsten Jahres deutlich unter 4 % sinken und die Inflationsrate dürfte nach einem Basiseffekt bedingten Rückgang im ersten Quartal 2018 im dritten Quartal auf über 2 % p.a. ansteigen. Anders als Anfang 2017 dürfte die Inflationsrate dann dauerhaft auf erhöhtem Niveau bleiben. Für einen solchen nachhaltigen Inflationsanstieg spricht neben dem Wegfall inflationsdämpfender Basiseffekte im Frühling 2018 auch die merkliche Abwertung des Dollar seit Ende 2016 sowie der Anstieg des Ölpreises (Brent und WTI) um rund 30 % seit Mitte des Jahres.
Wir gehen daher davon aus, dass der Leitzins im Dezember angehoben werden wird. Die Fed hat gestern erneut deutlich gemacht, dass sie durch Wirbelsturm bedingte schwache Konjunkturdaten hindurchschauen wird. Der Beschäftigungsrückgang im Sep-tember hat die Währungshüter nicht beeindruckt. Sie wissen, dass der Oktoberbericht, der morgen veröffentlicht wird, eine kräftige Gegenbewegung bei der Beschäftigungsentwicklung ausweisen wird. Ein Plus von rund 300.000 scheint wahrscheinlich. Als bemerkenswert empfanden es die FOMC-Mitglieder dagegen offenbar, dass das reale Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal trotz der Wirbelstürme so stark gestiegen ist. Auch die Vorzeichen für das laufende Quartal stehen sehr gut. 2018 dürfte die Notenbank den Leitzins dann um mindestens 75 Basispunkte anheben. Sollte es Präsident Trump und den Republikanern noch gelingen, eine Unternehmens- und/oder Einkommenssteuerreform mit einer nennenswerten steuerlichen Entlastung auf die Beine zu stellen, ergäben sich 2018 und/oder 2019 konjunkturelle Aufwärtsrisiken, die auch zu einer rascheren Normalisierung bzw. stärkeren Anhebung des Leitzinssatzes führen könnten.
Die konjunkturellen Voraussetzungen für eine Reihe weiterer Zinsnahebungen werden 2018 unserer Meinung nach gegeben sein. Darüber hinaus gibt es gute Argumente dafür, dass der Leitzins tatsächlich wie von den FOMC-Mitgliedern in Aussicht gestellt steigen wird. So verlieren im nächsten Jahr aufgrund der Rochade der regionalen Fed-Präsidenten mit Charles Evans und Neel Kashkari zwei ausgesprochene geldpolitische „Tauben“ ihr Stimmrecht. Sie werden ersetzt durch Loretta Mester und John Williams, die beide eher im Lager der „Falken“ angesiedelt sind. Das Gewicht der regionalen Fed-Präsidenten ist derzeit besonders hoch, da noch immer drei der sieben (immer stimmberechtigten) Boardpositionen unbesetzt sind.

Anleiheempfehlung:
Der Markt hat eine Zinsanhebung im Dezember gemessen an den Fed Funds Futures inzwischen zwar mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eingepreist. Für die Zeit danach wird allerdings weiter stark an dem von der Fed kommunizierten Fahrplan gezweifelt. Es wird kaum mehr als ein weiterer Zinsschritt bis Ende 2019 als wahrscheinlich erachtet. Ange-sichts der zu erwartenden Entwicklung am Arbeitsmarkt sowie der Inflationsrate dürfte der Markt diese Sichtweise aber mittelfristig nicht aufrechterhalten können. Da eine Zinsanhebung im Dezember inzwischen wie beschrieben aber allgemein erwartet wird und die Inflationsrate bis ins Frühjahr 2018 wieder auf deutlich unter 2 % sinken dürfte, sehen wir kurzfristig aber noch kein weiteres Potenzial für einen Renditeanstieg. Die Rendite 2-und 10-jähriger Staatsanleihen dürfte sich in den nächsten Monaten um das aktuelle Niveau bewegen.

 


 
Risikohinweise und Aufklärungen
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Anleihen

Finanzinstrumente/Unternehmen

Datum der Erstveröffentlichung der Empfehlung

10J US Treasury

01.01.1989

            

Verteilungen von kurzfristigen Empfehlungen (der dieser Publikation unmittelbar vorausgehenden 3 Monate)

Anlageempfehlung

Basis: alle analysierten Staatsanleihen

Kauf

32%

Halten

41%

Verkauf

27%

Keine Empfehlung

0%

Datum

2J US Treasury

10J US Treasury

21.09.2017

Halten

Halten

25.08.2017

Verkauf

Verkauf

02.06.2017

Verkauf

Verkauf

26.05.2017

Verkauf

Verkauf

07.04.2017

Verkauf

Verkauf

10.03.2017

Verkauf

Halten

03.03.2017

Verkauf

Halten

13.01.2017

Halten

Verkauf

16.12.2016

Halten

Halten

25.11.2016

Halten

Halten

11.11.2016

Halten

Halten

23.09.2016

Verkauf

Verkauf

05.09.2016

Verkauf

Verkauf


   
Quelle: RBI/Raiffeisen RESEARCH

Disclaimer Finanzanalyse

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EU-VERORDNUNG NR. 833/2014 ÜBER RESTRIKTIVE MASSNAHMEN ANGESICHTS DER HANDLUNGEN RUSSLANDS, DIE DIE LAGE IN DER UKRAINE DESTABILISIEREN

Bitte beachten Sie, dass sich die Analysen und Empfehlungen nur auf Finanzinstrumente beziehen, die nicht von Sanktionen gemäß EU-Verordnung Nr. 833/2014 über restriktive Maßnahmen angesichts der Handlungen Russlands, die die Lage in der Ukraine destabilisieren, in der geltenden Fassung betroffen sind. Das sind Finanzinstrumente, die vor dem 1. August 2014 begeben wurden.

Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass der Erwerb von Finanzinstrumenten mit einer Laufzeit von über 30 Tagen, die nach dem 31. Juli 2014 begeben wurden, gemäß EU-Verordnung Nr. 833/2014 über restriktive Maßnahmen angesichts der Handlungen Russlands, die die Lage in der Ukraine destabilisieren, in der geltenden Fassung verboten ist. Zu solchen verbotenen Finanzinstrumenten wird nicht Stellung genommen.

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- Analyse zu Volkswirtschaft, Zinsen und Währungen, Staatsanleihen und Unternehmensanleihen, Aktien sowie Rohstoffen mit den regionalen Schwerpunkten Eurozone sowie Zentral- und Osteuropa unter Berücksichtigung der globalen Märkte.
- Die Analyse erfolgt unter Einsatz der unterschiedlichen Analyse-Ansätze: Fundamentaler Analyse, quantitativer Analyse und/oder technischer Analyse.

Autor: Jörg ANGELE, RBI Wien
Editor: Gottfried STEINDL, RBI Wien

Hersteller dieser Publikation
Raiffeisen Bank International AG
Am Stadtpark 9, A-1030 Wien

Zeitpunkt der Erstellung dieser Publikation: 02.11.2017 07:43 (MEZ)
Zeitpunkt der erstmaligen Weitergabe dieser Publikation: 02.11.2017 07:44 (MEZ)

       

Peter Brezinschek

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