06.11.2017 - US-Beschäftigungszuwachs im Oktober wie erwartet kräftig

 
anlassbezogen


Das Bureau of Labor Statistics gab heute bekannt, dass die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft im Oktober um 261.000 angestiegen ist. Das war deutlich weniger als vom Konsens erwartet, lag aber nah an unserer eigenen Prognose. Für August und September wurde das zunächst gemeldete Plus in Summe um 90.000 nach oben revidiert. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 4,1 %.

Marktreaktion: Am Markt kam es zu keiner nachhaltigen Reaktion auf die Daten. Der Dollar holte kurzzeitige Verluste zum Euro rasch wieder auf.    

Einschätzung: Der vermeldete Beschäftigungszuwachs lag im Oktober zwar unter den Erwartungen, zusammen mit der kräftigen Aufwärtsrevision der Vormonatsergebnisse zeigt sich dennoch ein sehr erfreuliches Bild. Im Schnitt der letzten drei Monate ergibt sich ein durchschnittliches Beschäftigungsplus von 162.000, wobei diese Zahl sicher immer noch leicht durch die Nachwirkungen der Wirbelstürme nach unten verzerrt ist. Seit Januar beläuft sich der Schnitt auf 169.000. Das ist nur etwas weniger als im Durchschnitt des Jahres 2016 (187.000). Die Beschäftigungsdynamik hat sich damit trotz der bereits hohen Auslastung des Arbeitsmarktes noch nicht spürbar abgeschwächt. Angesichts eben dieser hohen Auslastung ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis dies geschehen wird. Es stehen einfach nicht mehr in ausreichendem Umfang geeignete Arbeitskräfte zur Verfügung, um die hohe Zahl an freien Stellen zu besetzen. Ein allmählicher Rückgang der Trendzunahme der Beschäftigung ist daher abzusehen, gleichzeitig aber unproblematisch: Gemäß Schätzungen verschiedener regionaler Federal Reserve Notenbanken reicht derzeit ein monatliches Beschäftigungsplus von weniger als 100.000, um den Arbeitsmarkt im Gleichgewicht zu halten, sprich die Arbeitslosenquote auf dem aktuellen Niveau zu fixieren. Anders gesagt: So lange die Beschäftigung monatlich um mehr als 100.000 wächst, wird die Arbeitslosenquote im Trend weiter zurückgehen.

Mit 4,1 % hat diese im Oktober ein neues Nachrezessionstief erreicht. Auf die zweite Nachkommastelle berechnet fiel der Rückgang von 4,22 % auf 4,07 % sogar noch größer aus als es auf den ersten Blick scheint. Seit Januar 1970 gab es lediglich zwölf Monate (!) in denen eine noch niedrigere Quote ermittelt wurde. Elf davon gegen Ende des New Economy Booms 1999/2000. Die von Fed-Präsidentin Janet Yellen oft angeführte Unterbeschäftigungsquote gab gleich um 0,4 Prozentpunkte auf 7,9 % nach. Unter anderem weil die Zahl der unfreiwillig in Teilzeit beschäftigten Arbeitnehmer um 369.000 zurückging. Mit 7,9 % liegt die Unterbeschäftigungsquote inzwischen weit unter dem Durchschnitt der Jahre 1994 bis 2007 von 8,9 %. Die Partizipationsquote kletterte erneut um 0,1 Prozentpunkte auf 62,9 %.

Einziger Wermutstropfen in den Daten zum Arbeitsmarkt im Oktober sind wie sooft die Zahlen zur Lohnentwicklung. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stagnierten und die Vorjahresrate sank von 2,8 % auf 2,4 %. Für November und Dezember rechnen wir wieder mit einem höheren Lohnzuwachs, so dass die Vorjahresrate Ende des Jahres wieder näher bei 3 % liegen dürfte.

Implikationen Geldpolitik: Die US-Notenbank dürfte den Arbeitsmarktbericht als weitere Bestätigung dafür ansehen, dass sich die Konjunktur gemäß ihrer Erwartungen entwickelt, sprich dass die Wirtschaft mindestens moderat wächst und sich die Lage am Arbeitsmarkt weiter verbessert. Einer Zinsanhebung im Dezember stehen die heutigen Zahlen sicher nicht im Weg.


Arbeitsmarktbericht
Gesamtwirtschaft ohne Landwirtschaft, saisonbereinigt, Veränderung in Tsd.

 

Oktober

RBI

Konsens

September

August

Erwerbstätige insgesamt

261

280

310

18

208

 - Private Wirtschaft

252

-

-

15

184

    - Produzierendes Gewerbe

33

-

-

18

73

    - Dienstleistungssektor

219

-

-

-3

111

 - Staat

9

-

-

3

24

Arbeitslosenquote, %

4,1

4,2

4,2

4,2

4,4

 Quelle: Bloomberg, BLS, RBI/Raiffeisen RESEARCH


 
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- Die Analyse erfolgt unter Einsatz der unterschiedlichen Analyse-Ansätze: Fundamentaler Analyse, quantitativer Analyse und/oder technischer Analyse.

Autor: Jörg ANGELE, RBI Wien
Editor: Matthias REITH, RBI Wien

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Zeitpunkt der Erstellung dieser Publikation: 03.11.2017 14:38 (MEZ)
Zeitpunkt der erstmaligen Weitergabe dieser Publikation: 03.11.2017 14:40 (MEZ)

Peter Brezinschek

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