Der österreichische Wohnimmobilienmarkt: Corona als Trendbeschleuniger oder Trendbruch?

„Divergenz“ und „Balkonprämie“ prägen Entwicklung am Wohnimmobilienmarkt * Raiffeisen Bausparkasse übertrifft im ersten Halbjahr 2021 Rekordfinanzierungsleistung des Vorjahres * Großes Potenzial: Renovierung und Sanierung nehmen Fahrt auf

Im Rahmen eines virtuellen Pressegespräches erläuterten die beiden Raiffeisen Research-Analysten Matthias Reith und Casper Engelen heute Vormittag gemeinsam mit Raiffeisen Bausparkassen Geschäftsführer Christian Vallant die jüngsten Entwicklungen am heimischen Immobilienmarkt und präsentierten einen Ausblick auf die kommenden Monate. Laut den Analysten von Raiffeisen Research bereitete die Rezession des Vorjahres dem Steigflug des österreichischen Wohnimmobilienmarktes kein jähes Ende, sondern befeuerte diesen nochmals. So legten die Preise von Wohneigentum im Gesamtjahr 2020 trotz oder vielmehr wegen der Pandemie um 7 % p.a. zu, der Wohnimmobilienmarkt wurde angesichts der pandemiebedingten Unsicherheit seinem Ruf als „sicheres Betongold“ gerecht. Im Corona-Jahr 2020 waren dabei insbesondere Wohnungen mit Außenflächen gefragt, die „Balkonprämie“ ist leicht angestiegen. Profitiert hat zudem die „zweite Reihe“ der Bezirke, weniger die absolute Peripherie. „Im erweiterten Speckgürtel gelegen, überdurchschnittlich groß und mit Balkon oder Terrasse – so sah der idealtypische ‚Corona-Profiteur‘ am österreichischen Wohnimmobilienmarkt im Jahr 2020 aus“, bringt es Casper Engelen, Ökonom für den österreichischen Wohnimmobilienmarkt bei Raiffeisen Research auf den Punkt. Die preisliche Schere zwischen den Bundesländern ist dabei auch 2020 größer geworden, womit im Corona-Jahr eine gewisse Kontinuität gewahrt worden ist. Denn bereits zuvor galt: Ohnehin schon teures wird schneller noch teurer. Heißt: die preislichen Hotspots in Österreich verzeichneten in den letzten Jahren stärkere Preiszuwächse als die preislichen Nachzügler. „Divergenz statt Konvergenz war und ist das Motto innerhalb Österreichs“, folgert Engelen.

Trotz nachlassender Unsicherheit hielt der „Run“ auf Wohnimmobilien zumindest zu Jahresbeginn weiter an. „Inflation“ dürfte ein zentrales Thema des Post-Corona Jahres 2021 werden, und das in dreierlei Hinsicht. Denn erstens dürften Inflationssorgen das noch im vergangenen Jahr dominierende Sicherheitsmotiv als maßgeblichen Preistreiber verdrängen. „Inflationsschutz statt Sicherheitsmotiv“, so Engelen. Zweitens lassen die globalen Lieferengpässe die Preise von Baumaterialien in die Höhe schnellen, was nicht folgenlos für die Angebotspreise im Neubau bleiben dürfte. „Die Globalisierung macht nicht vor den österreichischen Baustellen halt“, so Matthias Reith Senior Ökonom für die österreichische Volkswirtschaft und den Immobilienmarkt bei Raiffeisen Research. Und drittens haben steigende Inflationserwartungen seit Jahresbeginn zu leicht höheren Kapitalmarktrenditen geführt, der Tiefpunkt der Kreditzinsen dürfte vor diesem Hintergrund erreicht worden sein. Insgesamt ist 2021 ein Preisanstieg auf dem österreichischen Wohnimmobilienmarkt zumindest auf Vorjahresniveau realistisch. „Die Zeichen stehen 2021 auf fortgesetzte Höhengewinne auf dem heimischen Immobilienmarkt, gleichzeitig wird die Luft damit aber nochmals dünner“, so Reith. Das Thema Leistbarkeit rückt immer mehr in den Fokus. Weitere Preisanstiege sollten sich daher mittelfristig gemächlicher vollziehen. Ein Sinkflug der Preise zeichnet sich gleichwohl nicht ab, denn die fundamentalen Rahmenbedingungen sowie das Zinsumfeld sind unterstützend. „Die grundsätzlichen Voraussetzungen für eine längerfristige Fortsetzung des preislichen Steigflugs, wenn auch mit geringerem Tempo als zuletzt gesehen, sind weiterhin intakt“, resümiert Reith.
 

Finanzierungen auf 60-Jahres-Hoch

Auch die im Vergleich zum Rekordjahr 2020 abermals gestiegene Nachfrage bei der Raiffeisen Bausparkasse nach Immobilienfinanzierungen unterstreicht die Aussage der Analysten, wonach sich „sicheres Betongold“ höchster Attraktivität erfreut. „Wir dachten, im vergangenen Jahr bereits ein absolutes Rekordergebnis an bewilligten Finanzierungen gesehen zu haben. Tatsächlich verzeichneten wir im ersten Halbjahr 2021 die höchste Finanzierungsleistung seit Bestehen der Raiffeisen Bausparkasse, also der letzten 60 Jahre“, so das Resümee von Christian Vallant zum erfolgreichen ersten Halbjahr. Vor allem die hohe Nachfrage an langfristigen Fixzinsfinanzierungen sei ausschlaggebend für diese außergewöhnlich hohe Finanzierungsleistung, erläutert der Geschäftsführer der Raiffeisen Bausparkasse weiter. Er geht davon aus, dass sich die Nachfrage in den kommenden Monaten auf hohem Niveau einpendeln wird.
 

Großes Potenzial bei Sanierung und Renovierung von Altbauten

Worauf Christian Vallant künftig verstärkt setzt, ist Renovierung und Sanierung von Altbestand: „Der Neubau von Wohnhäusern muss künftig stärker unter Wahrung des sparsamen Umgangs mit Ressourcen und Boden umgesetzt werden. Das Augenmerk muss dabei stärker auf bereits bestehenden Wohngebäuden liegen. Bauen auf bereits erschlossenen, im besten Fall auf Grundstücken mit vorhandener Bebauung als Ergänzungsbauten oder vollkommene Ersatzneubauten bei wirtschaftlich nicht vorteilhaft zu entwickelnden Bestandsobjekten, sollte viel mehr in Betracht gezogen werden.“ Dadurch kann ein wertvoller Beitrag zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs geliefert werden. Dass Alternativen zum Neubau mittlerweile stärker in Betracht gezogen werden, zeigen mittlerweile auch die Finanzierungsanfragen bei der Raiffeisen Bausparkasse für die Zwecke Um-/Zubau bzw. Sanierung und Renovierung. Allerdings gibt es bei Nutzung und Modernisierung von Altbauten hierzulande noch großes Potenzial. Vallant bestätigt, dass sowohl die durchschnittliche Darlehenshöhe als auch die Anzahl an Finanzierungen in den Bereichen Um-/Zubau sowie Sanierung und Renovierung im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 deutlich angestiegen sind. Waren es im ersten Halbjahr 2020 im Bereich Um-/Zubau noch 322 Finanzierungen mit einer durchschnittlichen Darlehenshöhe von EUR 130.000 so waren es im ersten Halbjahr dieses Jahres bereits 368 Finanzierungen mit einer durchschnittlichen Summe von EUR 145.000. Im Bereich Sanierung und Renovierung stieg die Anzahl der Finanzierungen von 412 (1. HJ 2020) auf 487. Die durchschnittliche Darlehenssumme verzeichnete einen Anstieg auf EUR 79.000 (EUR 63.000 im 1. HJ 2020). „Wir sehen gerade in diesen Kategorien noch großes Potenzial und es wäre wünschenswert, die Attraktivität von Sanierung und Renovierung in Österreich noch weiter zu fördern, um auch zukünftigen Generationen die Realisierung ihrer Wohnträume ermöglichen zu können,“ erklärt Vallant.

 

Sie finden die Studie hier.

 

Über Raiffeisen Bausparkasse

Die Raiffeisen Bausparkasse ist das Spezialinstitut der Raiffeisen Bankengruppe Österreich für die Finanzierung, Erhaltung sowie Verbesserung von Wohnraum. Sie bietet prämienbegünstigte Sparverträge an und ermöglicht mit maßgeschneiderten Darlehensangeboten neben der Wohnraumschaffung auch die Finanzierung von Bildungs- und Pflegemaßnahmen. Die Raiffeisen Bausparkasse serviciert rund 1,6 Millionen Kunden in Österreich. Die Raiffeisen Bausparkasse ist Mitglied der Raiffeisen Nachhaltigkeits-Initiative. Mehr Informationen finden Sie unter www.bausparen.at.

28.07.2021 - Startseite, Presse 2021, Insights