NHM - Aktuelles - "Diversität - Vom Wunsch zur Realität"

Mitte Mai kamen in der RBI rund 60 externe und interne Gäste unter dem Motto „Diversität – vom Wunsch nach Vielfalt zur Realität in der Umsetzung“ zusammen. Die RBI lud im Rahmen der Initiative "Vielfalt 2020" gemeinsam mit dem ABZ zu diesem spannenden Abend ein.
 
Fotocredit © GMR Photography & Film - Johanna JichaIn ihren einführenden Worten wies Andrea Sihn-Weber, Leiterin Group Sustainability Management RBI, darauf hin, dass Diversitätsmanagement von zunehmender Bedeutung sei. Hintergründe dazu sind gesellschaftliche Veränderungen wie der viel zitierte Fachkräftemangel, die Alterung der Bevölkerung, Globalisierung und Migrationsströme, digitale Transformation, Demografiewandel oder der War for Talents. Auch das seit 2017 geltende Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz, welches beispielsweise Banken dazu verpflichtet ihre Diversität und gesetzte Maßnahmen im Corporate Governance Bericht zu veröffentlichen, ändert hier Realitäten. "Diversität zu leben, heißt nicht nur, mehr Frauen ins Management zu bringen, es gibt ganz verschiedene Themen in der Diversität und wir wollen Frauen und Männern ermöglichen, dass sie ihr Arbeitszeitmodell an ihre Lebenssituation anpassen können."

 Fotocredit © GMR Photography & Film - Johanna JichaSita Mazumder, Professorin für IT und Wirtschaft an der Hochschule Luzern, meinte in ihrem inspirierenden Fachvortrag: „Das Thema ist riesig und sehr facettenreich. Wäre es einfach, könnten wir es einfacher lösen. Es wird sich auch nicht einfach von selbst erledigen.“ Sah man den Menschen lange als reinen Produktions- und später als Kostenfaktor, so ist heute Wertemanagement gefragt. Das ist ein ganz anderes Konzept und erfordert eine geänderte Kultur und neue Managementansätze. Wir leben in einer Welt von Potentialen. Gelebte Diversität korreliert mit Innovation. „Wir wollen alle Diversität. Ich kenne keine Firma, die sagt, sie wolle das nicht. Aber es soll dann doch nicht zu unterschiedlich sein von dem, was man tut und selber denkt. Das ist eine menschliche Reaktion und sehr oft gehen Kopf und Herz beziehungsweise Bauch auseinander. Das ist ein Spannungsfeld.“ Diversitätsmanagement ist kein Kostenfaktor, sondern, wenn gut gemanagt, ein Investitionsfaktor.

Nicht nur der Female-Shift, sondern auch das Faktum, dass mittlerweile fünf Generationen mit teilweise sehr unterschiedlichen Werten und Ansprüchen in der Arbeitswelt tätig sind, fordert Unternehmen. Von den Babyboomern, den „Familienernährern“, über die Generation der „gut formbaren Schlüsselkinder“ sind mittlerweile Menschen mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein und klar definierten Anforderungen an Zeit und Ort in den Arbeitsmarkt eingetreten.

Frauen werden dabei noch immer zwischen den Klischees der Rabenmutter und der Karrierefrau eingeordnet. Weiters stehen horizontale Bewerbungen eher bei Frauen, und strategische vertikale bei Männern an der Tagesordnung. Daher müssen Frauen aus ihrer Komfortzone treten. „Mit offenem Herzen und gutem Verständnis an das Thema herangehen. Das Darüber reden ist gut und wichtig, aber man muss es tun, man muss den Mut haben. Es ist ein ‚Change‘, aber ‚Life‘ ist nun mal ein ‚Change‘. Dann ergibt 1+1 nicht mehr 0, sondern 1+1=3!“, war sich die Wissenschaftlerin sicher.

 Fotocredit © GMR Photography & Film - Johanna JichaDie anschließende Podiumsdiskussion wurde von Edith Unger, Chefredakteurin der Raiffeisenzeitung, moderiert – persönliches Interesse an dem Thema war gut spürbar: „Gelebte Vielfalt macht unser Leben und unsere Arbeitswelt facettenreicher und interessanter. Viele Studien zeigen, dass Diversität die Kreativität erhöht und Innovation fördert. Diversität ist eine persönliche Bereicherung und für Unternehmen ein Wettbewerbsvorteil. Aber wie gelingt die Umsetzung?“. Diese Fragestellung begleitete die gesamte Podiumsdiskussion.
 


 

Fotocredit © GMR Photography & Film - Johanna JichaChristian Friesl, Bereichsleiter Bildung & Gesellschaft in der Industriellenvereinigung, sah Änderungen in den Werthaltungen der Bevölkerung. Diese seien aber nicht klar an Hand von Generationen abgrenzbar. Der Wert von Arbeit per se sinke und Freizeit gewinne demgegenüber an Bedeutung – getrieben werde dies von den jüngeren Generationen, es betreffe aber alle Altersgruppen. 
 

 

 


Fotocredit © GMR Photography & Film - Johanna JichaPetra Pointinger, Head of HR Austria RBI sah dies ähnlich: „Es sind nicht nur die Jungen, die nach Sinn suchen und nach Aufgaben, Menschen wollen verstehen, für welche Unternehmen sie arbeiten und für welche Werte das Unternehmen steht. Was ist das Ziel des Unternehmens?“. Flexible Arbeitszeiten, Home-Office-Optionen, etc. – all dies wird von den Jungen proaktiv nachgefragt und die RBI stellt sich dieser Herausforderung. Manche dieser Dinge werden schon lange angeboten. Die RBI engagiert sich seit Jahren aktiv mit der Initiative „Vielfalt 2020“ und verfolgt dabei die Schwerpunkte Empowerment von Frauen, Inklusion von Menschen mit Behinderung und Bewusstseinsschaffung für die Dimension Sexuelle Orientierung. 

 

Fotocredit © GMR Photography & Film - Johanna JichaDoris Partel-Niederreiter, die es als CFO der Raiffeisen Informatik geschafft hat, als Frau Karriere in der RBI zu machen, war überzeugt, dass die Sozialisierung seitens starker Frauen sie geprägt hatte. „Man braucht ein Ziel vor Augen, einen internen Antrieb um für etwas zu kämpfen – mit Herzblut und Leidenschaft. Ich war immer mehr an den Inhalten als an der Funktion orientiert. Das hat mich Stück für Stück dort hingebracht, wo ich heute bin. Menschen, die einem Chancen einräumen, um sichtbar zu werden und die einem etwas zutrauen, sind auch wichtig.“, wusste die Expertin aus eigener Erfahrung. Sie war überzeugt davon, neue Sichtweisen einbringen zu können. Frauen müssen mehr netzwerken, dies aber strategisch. Wir benötigen positive Vorbilder und viel Selbstvertrauen. Deswegen hat sie selbst beim heurigen Töchtertag mit weiblichen Jugendlichen gesprochen und gespürt, wie wichtig es ist, sich dafür Zeit zu nehmen, wenn man etwas verändern möchte.

Fotocredit © GMR Photography & Film - Johanna JichaWolfgang Spreicer, Leiter der Software-Entwicklungsabteilung an der TU Wien, berichtete, dass in Väterkarenz zu gehen für ihn selbstverständlich war: „Warum macht ‚Mann‘ Väterkarenz? Ganz klar, um Zeit mit den Kindern zu verbringen und um eine gewisse Art von gleichberechtigter Partnerschaft zu führen. Ich bin nicht das Super-Role-Model, aber es hat mir persönlich sehr viel gebracht. Denn die Karenz ist, meiner Erfahrung nach, nicht so die Herausforderung, Karenz heißt, ein Elternteil ist zuhause und kann sich ums Kind kümmern. Schwierig wird es dann, wenn beide wieder arbeiten gehen.“


 

Fotocredit © GMR Photography & Film - Johanna JichaManuela Vollmann, Geschäftsführerin beim ABZ AUSTRIA, sah auch die Pflege älterer Angehöriger als ein Zukunftsthema mit ähnlichen Herausforderungen wie Elternkarenz. Weiters führte sie aus: „Ich sehe auch immer eine Chance beim Thema Digitalisierung und künstlicher Intelligenz. Das sind wahnsinnige Treiber und gleichzeitig schwierige Geschichten. Wichtig ist es, technische Innovationen mit gesellschaftlichen Notwendigkeiten und mit sozialer Innovation zu verbinden. Es sind immer noch die Menschen, die damit umgehen müssen, man muss sie mit ihrer Vielfalt mitgestalten lassen.“

Christian Friesl sah nur langsame Fortschritte in gelebter Inklusion, auch verbunden mit Kultur-Stereotypen. Dazu meinte er: „Diversity, das ist ein politisches Konzept, das beschäftigt sich mit individuellen und sozial strukturellen Dimensionen von Unterschiedlichkeit. Diversity bedeutet die Anerkennung von Anderssein und da sind wir weniger bei der Arbeitsorganisation, sondern mehr bei der Ethik und der Frage: ‚Sind wir in der Lage, Andersartigkeit auch anzuerkennen und wertzuschätzen?‘ Wenn das nicht gelebt wird, werden wir uns in den Unternehmen schwer tun.“

Zustimmen konnte ihm dabei Sita Mazumder. Sie sprach von einem Kulturwandel in Unternehmen: „Kulturwandel ist eine Herkulesaufgabe. Kultur ist sehr werte- und menschenorientiert. Kulturwandel kann auf zwei große Arten stattfinden: ‚Es gibt die langsame Art, bei der ich mir einzelne Prozesse und Programme ansehe. Für den Kulturschock braucht es Mut und in Krisensituationen muss es schnell gehen.‘“ Unternehmen müssen sich dann mit ihren Zielen und Werten auseinandersetzen und jede Abteilung und jedes Ressort in den Prozess einbinden.

Man sah also, es geschieht viel, aber es gibt noch mehr zu tun. Diversität und Inklusion leben, um Innovation und Zukunft zu ermöglichen – daran kommen Unternehmen nicht mehr vorbei. Dies wurde auch beim abschließenden Networking noch intensiv diskutiert, denn wie eine Teilnehmerin anmerkte: „Der Vortrag und die Diskussion waren extrem spannend, interessant und aufschlussreich. Von mir aus hätte die Podiumsdiskussion ruhig länger dauern können.“

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