27.07.2017 - Fed kündigt baldigen Einstieg in Bilanznormalisierung an

Anlassbezogen

 

 

Kernaussagen:

•    Stellungnahme quasi ident zu der von Mitte Juni

•    Arbeitsmarkt wird positiver gesehen als im letzten Monat

•    Inflations“schwäche“ wird als temporäres Phänomen eingeschätzt

•    Bilanzreduktion soll „recht bald“ beginnen

Marktreaktion: Die Rendite amerikanischer Staatsanleihen gab über die ganze Kurve rund 4 Basispunkte nach. Der Dollar verlor zum Euro 1 Cent auf 1,175 EUR/USD.

Zusammenfassung: Die Stellungnahme im Anschluss an die gestrige Zinsentscheidung fiel fast wortgleich zu der von Mitte Juni aus. Eine wesentliche Änderung gab es lediglich im Absatz zur Wiederveranlagung fällig werdender Wertpapiere aus dem Anleiheportfolio der Fed. Während es im Juni hieß, man gehe von einem Einstieg in die Normalisierung der Notenbankbilanz noch in diesem Jahr aus, soll diese Normalisierung laut gestriger Stellungnahme nun „recht bald“ beginnen. Mit Blick auf die jüngste Inflationsentwicklung heißt es nun, sowohl die Inflationsrate mit als auch die ohne Energie und Nahrungsmittel bewege sich „unterhalb von 2 % p.a.“. Im Juni hatte es noch geheißen, die Inflationsrate bewege sich „etwas unterhalb von 2 % p.a.“. Wie im letzten Monat gehen die Währungshüter aber unverändert davon aus, dass die Inflationsrate zwar noch eine gewisse Zeit unterhalb von 2 % p.a. bleiben wird, sich mittelfristig allerdings um den Zielwert der Notenbank von 2 % p.a. herum stabilisieren wird. Die Einschätzung zum Arbeitsmarkt klingt etwas zuversichtlicher als im Juni. So wurde die Einschränkung, der Beschäftigungszuwachs hätte sich abgeschwächt nicht wiederholt.

Die Risiken für ihren Konjunkturausblick geben die Währungshüter unverändert mit „ziemlich ausgeglichen“ an.

 

Einschätzung: Mit ihrer gestrigen Stellungnahme geben die Währungshüter unserer Ansicht nach das klare Signal, dass sich an ihrer im Juni geäußerten Einschätzung zur Anleiheportfolioreduktion sowie zum Leitzinspfad nichts geändert hat. Den Verweis auf den baldigen Einstieg in die Normalisierung der Notenbankbilanz verstehen wir so, dass diese auf der nächsten Sitzung Ende September angekündigt werden wird. Damit dürfte das Anleiheportfolio der Fed ab Oktober um monatlich USD 10 Mrd. schrumpfen. Alle drei Monate soll dieser Betrag dann erhöht werden, bis schließlich eine monatliche Reduktion der Bilanz von USD 50 Mrd. erreicht wird.

Die minimale Anpassung in der Inflationseinschätzung würden wir nicht überbewerten. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Währungshüter explizit betonen, sie seien sich dessen bewusst, dass sich die Inflationsrate noch für einige Zeit unter dem Zielwert von 2 % p.a. bewegen wird. Ein sehr wahrscheinlicher weiterer Rückgang der Inflationsrate Richtung 1 % p.a. bzw. auf 1,5 % p.a. im Falle der Kernrate bis zum Jahreswechsel 2017/18 wird die Währungshüter also nicht überraschen. Vier Gründe sprechen unserer Meinung dafür, dass die Notenbank diese Entwicklung recht entspannt betrachten wird. Erstens wird die Inflationsrate schon allein aufgrund von Basiseffekten im Frühling 2018 wieder um 0,2 Pp bis 0,4 Pp steigen. Zweitens dürfte die Arbeitslosenquote in den nächsten Quartalen weiter zurückgehen und Anfang 2018 unter 4 % sinken. Die Abweichung vom von der Fed als langfristig normal angesehenen Wert nimmt also zu, der Arbeitsmarkt überhitzt. Drittens ist die schwache Inflationsentwicklung vor allem angebotsseitig getrieben und geht nicht auf eine sich abschwächende Nachfrage zurück. Viertens schließlich werden die Bewertungen an den Aktienmärkten und im Bereich der Unternehmensanleihen immer weiter strapaziert, obwohl die Fed schon seit Monaten auf sich aufbauende Überbewertungen hinweist.

Vor diesem Hintergrund halten wir es für nachvollziehbar, dass das geldpolitische Gremium trotz der zu erwartenden Phase relativ niedriger Inflationsraten unverändert von der Notwendigkeit einer weiteren graduellen Erhöhung des Leitzinssatzes ausgeht.

Der Markt sieht sich dagegen – wie von uns im letzten Wochenausblick schon vermutet – durch die minimale Anpassung der Inflationseinschätzung in seiner Ansicht bestätigt, die Fed werde die Zinsnormalisierung spätestens nach einem weiteren Zinsschritt quasi beenden.

Anleiheempfehlung: Für uns ist die gestrige Stellungnahme eine Bestätigung der im Juni vom FOMC abgegebenen Einschätzung zum Leitzinspfad in diesem und im nächsten Jahr, sprich eine weitere Anhebung bis Ende 2017 und drei Zinsschritte im Jahr 2018. Nachdem im September höchstwahrscheinlich der Einstieg in die Bilanzreduktion bekannt gegeben werden wird, dürfte die nächste Zinsanhebung im Dezember erfolgen. Der Markt preist gemessen an den Fed Funds Futures nur noch einen einzigen Zinsschritt bis Ende 2018. Wir halten das für deutlich zu aggressiv. Sobald klar wird, dass die Fed angesichts eines immer weiter überhitzenden Arbeitsmarktes sowie einer ab Frühjahr 2018 zügig steigenden Inflationsrate mehr liefern wird als vom Markt unterstellt, dürfte es eine Aufwärtskorrektur bei der Rendite amerikanischer Staatsanleihen geben. Sowohl am langen als auch am kurzen Ende.   

 

Finanzanalyst

Jörg ANGELE , CIIA

joerg.angele@rbinternational.com

 

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Offenlegung von Umständen und Interessen, die die Objektivität der RBI gefährden könnten (gem. §48f (5) und (6) BörseG): www.raiffeisenresearch.com/disclosuresobjectivity

Detaillierte Informationen zu Empfehlungen der dieser Publikation unmittelbar vorausgehenden 12 Monate zu Finanzinstrumenten und Emittenten (gem. Art. 4 (1) i) Delegierte Verordnung (EU) 2016/958 vom 9. März 2016) sind verfügbar unter: https://raiffeisenresearch.com/web/rbi-research-portal/recommendation_history.

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6. Raiffeisen Bank International AG oder eine mit ihr verbundene juristische Person hat mit dem Emittenten eine Vereinbarung über die Erstellung von Anlageempfehlungen geschlossen.

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Den an der Erstellung der Finanzanalyse beteiligten Personen sind Interessen oder Interessenkonflikte (im Umfang des vorgehenden Absatzes) von Personen bekannt oder hätten bekannt sein können, die den der Raiffeisen Bank International AG verbundenen Unternehmen zuzurechnen sind.

Das gilt auch für Interessen und Interessenkonflikte von Personen, die zwar nicht an der Erstellung der Finanzanalyse beteiligt waren, die aber vor Veröffentlichung der Finanzanalyse Zugang zu dieser hatten oder hätten haben können.

 

Anleihen

  

Finanzinstrumente/Unternehmen

Datum der Erstveröffentlichung der Empfehlung

10J US Treasury

01.01.1989

2J US Treasury

01.01.1989

  

 

  

Verteilungen von kurzfristigen Empfehlungen (der dieser Publikation unmittelbar vorausgehenden 3 Monate)

Anlageempfehlung

Basis: alle analysierten Staatsanleihen

Kauf

32%

Halten

58%

Verkauf

11%

Keine Empfehlung

0%

  

 

Historie der kurzfristigen Empfehlungen (der dieser Publikation unmittelbar vorausgehenden 12 Monate)

Datum

10J US Treasury

2J US Treasury

 

 

 

02.06.2017

Verkauf

Verkauf

26.05.2017

Verkauf

Verkauf

07.04.2017

Verkauf

Verkauf

10.03.2017

Halten

Verkauf

03.03.2017

Halten

Verkauf

13.01.2017

Verkauf

Halten

16.12.2016

Halten

Halten

25.11.2016

Halten

Halten

11.11.2016

Halten

Halten

23.09.2016

Verkauf

Verkauf

05.09.2016

Verkauf

Verkauf

01.07.2016

Verkauf

Verkauf

     Quelle: RBI/Raiffeisen RESEARCH

Disclaimer Finanzanalyse

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Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass der Erwerb von Finanzinstrumenten mit einer Laufzeit von über 30 Tagen, die nach dem 31. Juli 2014 begeben wurden, gemäß EU-Verordnung Nr. 833/2014 über restriktive Maßnahmen angesichts der Handlungen Russlands, die die Lage in der Ukraine destabilisieren, in der geltenden Fassung verboten ist. Zu solchen verbotenen Finanzinstrumenten wird nicht Stellung genommen.

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Sollte sich eine Bestimmung dieses Disclaimers unter dem jeweils anwendbaren Recht als rechtswidrig, unwirksam oder nicht durchsetzbar herausstellen, ist diese, soweit sie von den übrigen Bestimmungen trennbar ist, so zu behandeln, als wäre sie nicht Bestandteil dieses Disclaimers. In keinem Fall berührt sie die Rechtmäßigkeit, Wirksamkeit oder Durchsetzbarkeit der übrigen Bestimmungen.

 

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Grundlegende inhaltliche Richtung dieser Publikation

- Analyse zu Volkswirtschaft, Zinsen und Währungen, Staatsanleihen und Unternehmensanleihen, Aktien sowie Rohstoffen mit den regionalen Schwerpunkten Eurozone sowie Zentral- und Osteuropa unter Berücksichtigung der globalen Märkte.

- Die Analyse erfolgt unter Einsatz der unterschiedlichen Analyse-Ansätze: Fundamentaler Analyse, quantitativer Analyse und/oder technischer Analyse.

Autor: Jörg ANGELE, RBI Wien

Editor: Matthias REITH, RBI Wien

 

Hersteller dieser Publikation

Raiffeisen Bank International AG

Am Stadtpark 9, A-1030 Wien

 

Zeitpunkt der Erstellung dieser Publikation: 27.07.2017 08:13 (CEST)

Zeitpunkt der erstmaligen Weitergabe dieser Publikation: 27.07.2017 08:14 (CEST)

Peter Brezinschek

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