14.12.2017 - Fed hebt Leitzins um 25 BP an und stellt bis 2020 mehr Zinsschritte in Aussicht


anlassbezogen

 

Kernaussagen:

• Leitzinsspanne steigt um 25 Bp auf 1,25 % - 1,50 %
• Es wird unverändert die Notwendigkeit weiterer Zinsanhebungen gesehen  
• 2018 sollen drei Zinsschritte folgen, 2020 soll Leitzins bei 3,1 % liegen
• BIP-Prognose für 2018 wegen Steuerreform deutlich angehoben


Marktreaktion: Der Dollar verlor in Reaktion auf die Zinsentscheidung zum Euro rund 0,5 Cent auf 1,182 EUR/USD. US-Staatsanleihen gewannen über alle Laufzeiten. Die Rendite der 2-jährigen Anleihe sank um 5 Basispunkte auf 1,79 %, die Rendite der 10-jährigen Anleihe ging um 6 Basispunkte auf 2,36 % zurück.

Zusammenfassung: Wie erwartet hob die US-Notenbank die Leitzinsspanne um 25 Basispunkte auf 1,25 % bis 1,50 % an. Es war die fünfte Zinserhöhung seit De-zember 2015, in Summe wurde die Leitzinsspanne seither um 125 Basispunkte angeho-ben. Der gestrige Beschluss fiel nicht einstimmig. Charles Evans (Chicago Fed) und Neel Kashkari (Minneapolis Fed) stimmten gegen einen höheren Leitzins. Die begleitende Stellungnahme zur Zinsentscheidung unterscheidet sich nur unwesentlich von derjenigen vom November. Auffällig ist die positivere Note mit Blick auf den Arbeitsmarkt. Dieser wird nun als stark charakterisiert, während er bisher stets als stärker werdend beschrieben wurde. Die Risiken für den kurzfristigen Konjunkturausblick werden erneut als annähernd ausgeglichen charakterisiert.
Gemäß der ebenfalls veröffentlichten neuen Projektionen zum erwarteten Leitzinspfad hält die Mehrheit der Währungshüter im nächsten Jahr unverändert drei Zinsanhebungen um je 0,25 % für wahrscheinlich. Zehn der 16 FOMC-Mitglieder sehen zum Jahresende eine Leitzinsspanne von mindestens 2,00 % bis 2,25 % als angemessen an. 2019 soll es unverändert gegenüber September zwei bis drei Zinsschritte geben. Für das Jahr 2020 wird im Median nun ein Leitzinssatz von 3,1 % erwartet, nach 2,9 % im September. Der langfristig als neutral angesehene Leitzins wird weiter bei 2,8 % gesehen.
Die Projektion für die Zunahme des realen Bruttoinlandsproduktes für die Jahre 2018 bis 2020 wurde angehoben. Besonders ausgeprägt ist die Aufwärtsrevision für das Jahr 2018. Für das vierte Quartal wird nun eine Vorjahresrate von 2,5 % angenommen. Im September lag die Projektion noch bei 2,1 %. Ausschlaggebend für die zuversichtlicheren Konjunkturerwartungen sind laut Fed-Präsidentin Janet Yellen die zu erwartenden positiven Effekte der sich abzeichnenden Steuerreform. Die Ende der Jahre 2018 und 2019 erwartete Arbeitslosenquote wurde abermals leicht gesenkt und liegt nun bei 3,9 %. Das ist inzwischen merklich weniger als die langfristig als neutral angesehene Quote von  4,6 %.

Einschätzung: Das Ergebnis der gestrigen Zinsentscheidung entsprach ziemlich genau unseren Erwartungen. Die Währungshüter scheinen mit Blick auf die weitere konjunkturelle Entwicklung sowie den Arbeitsmarkt immer zuversichtlicher zu werden. Ins Grübeln scheint die Währungshüter der nach wie vor überraschend geringe Preisdruck zu bringen. Angesichts der nun noch zuversichtlicheren Einschätzung von Konjunktur- und Arbeitsmarktaussichten ist man aber weiter überzeugt, dass sich die Inflationsrate mittelfristig beim Notenbankziel von 2 % einpendeln wird. Wir teilen diese Einschätzung und würden sogar noch weitergehen. Die Arbeitslosenquote dürfte schon im ersten Quartal 2018 unter 4 % sinken, bis Ende des Jahres erwarten wir eine Quote von nur noch 3,6 %. Die Inflationsrate dürfte nach einem Basiseffekt bedingten leichten Rückgang im ersten Quartal 2018 – ab Sommer des nächsten Jahres auf über 2 % p.a. ansteigen. Anders als Anfang 2017 dürfte die Inflationsrate dann dauerhaft auf erhöhtem Niveau bleiben. Für einen solchen nachhaltigen Inflationsanstieg spricht neben dem Wegfall inflationsdämpfender Basiseffekte im Frühling 2018 auch die Abwertung des handelsgewichteten Dollar in den letzten Monaten sowie der merkliche Anstieg des Ölpreises seit Mitte 2017 um rund 40 %.

Wir gehen daher davon aus, dass der Leitzins im nächsten Jahr wie schon 2017 in Summe um mindestens 75 Basispunkte angehoben werden wird. Aktuell gehen wir von je einem Zinsschritt um 25 Basispunkte im Juni, September und Dezember aus. Im März dürfte die Notenbank wegen der beschriebenen Inflationsentwicklung eine Pause bei den Zinsanhebungen einlegen. Das Risiko sehen wir aktuell in mehr als den jetzt angedeuteten drei Zinsanhebungen im nächsten Jahr. Sollte die von Präsident Trump und den Republikanern geplante Steuerreform zu einer noch stärkeren konjunkturellen Belebung führen als von der Fed und den meisten Analysten unterstellt und/oder sollte das Lohnwachstum unerwartet schnell auf 3 % p.a. oder mehr anziehen, könnte die Fed am Ende zu einer stärkeren geldpolitischen Straffung gezwungen sein.

Neben den sehr favorablen Konjunkturaussichten spricht aber noch ein anderes Argument dafür, dass der Leitzins am Ende mindestens so stark steigen wird wie jetzt von den FOMC-Mitgliedern in Aussicht gestellt. So verlieren im nächsten Jahr aufgrund der Rochade der regionalen Fed-Präsidenten mit Charles Evans und Neel Kashkari zwei ausgesprochene geldpolitische „Tauben“ ihr Stimmrecht. Sie werden ersetzt durch Loretta Mester und John Williams, die beide eher im Lager der „Falken“ angesiedelt sind. Das Gewicht der regionalen Fed-Präsidenten ist derzeit besonders hoch, da selbst nach der Nominierung von Marvin Goodfriend für das Fed Board noch immer drei der sieben Sitze unbesetzt sind.

Die gestrige Marktreaktion können wir vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehen, da die Wahrscheinlichkeit von drei Zinsanhebungen im nächsten Jahr in unseren Augen eher gestiegen denn gesunken ist.

Anleiheempfehlung: Aufgrund der erwarteten Inflationsentwicklung in den nächsten Monaten sowie der von uns unterstellten Zinsanhebungspause im März sehen wir mit Blick auf das erste Quartal kein großes Potenzial für einen Renditeanstieg am langen Ende. Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen dürfte nur leicht zulegen. Der merkliche Renditeanstieg am kurzen Ende der letzten Wochen dürfte sich deutlich verlangsamen.   


 
Risikohinweise und Aufklärungen
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Anleihen

Finanzinstrumente/Unternehmen    Datum der Erstveröffentlichung der Empfehlung

 

10J US Treasury    01.01.1989
            
Verteilungen von kurzfristigen Empfehlungen (der dieser Publikation unmittelbar vorausge-henden 3 Monate)
Anlageempfehlung    Basis: alle analysierten Staatsanleihen
Kauf    32%
Halten    41%
Verkauf    27%
Keine Empfehlung    0%
 

 

Historie der kurzfristigen Empfehlungen (der dieser Publikation unmittelbar vorausgehenden 12 Monate)
Datum    2J US Treasury    10J US Treasury
24.11.2017    Halten    Halten
29.09.2017    Halten    Halten
21.09.2017    Halten    Halten
25.08.2017    Verkauf    Verkauf
02.06.2017    Verkauf    Verkauf
26.05.2017    Verkauf    Verkauf
07.04.2017    Verkauf    Verkauf
10.03.2017    Verkauf    Halten
03.03.2017    Verkauf    Halten
13.01.2017    Halten    Verkauf
16.12.2016    Halten    Halten
25.11.2016    Halten    Halten
Quelle: RBI/Raiffeisen RESEARCH


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Hersteller dieser Publikation
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Zeitpunkt der Erstellung dieser Publikation: 14.12.2017 07:47 (MEZ)
Zeitpunkt der erstmaligen Weitergabe dieser Publikation: 14.12.2017 07:48 (MEZ)

Peter Brezinschek

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