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Rainer Schnabl sitzt im Anzug an einem Tisch und spricht während einer Interview- oder Podcast-Aufnahme in Mikrofone. Ihm gegenüber sitzen Elitza Kavrakova und Gunter Deuber in einem Studio mit grünem Hintergrund und Holzvertäfelung. Die Szene lässt auf ein professionelles Gespräch oder eine aufgezeichnete Geschäftsbesprechung schließen. Die klare und gleichmäßige Beleuchtung unterstreicht die formelle Atmosphäre.

Rainer Schnabl über Technologie und Zukunftschancen im Banking

In dieser Episode von Banking on Success sprechen Gastgeber:in Elitza Kavrakova und Gunter Deuber mit Rainer Schnabl, Vorstandsmitglied für Corporate and Investment Banking Products and Solutions bei der Raiffeisen Bank International. Er teilt seine Führungsphilosophie, seine Sicht der CEE- Märkte und seine Vision für ein technologiegetriebenes Banking.

Gunter Deuber, Rainer Schnabl und Elitza Kavrakova stehen vor einem einfarbig grünen Hintergrund. Sie tragen formelle Geschäftskleidung, darunter Anzüge und ein Blazer mit Rock. Die zentrale Person steht mit verschränkten Händen da, während die anderen selbstbewusst zu ihren Seiten posieren. Das Bild vermittelt ein Gefühl von Unternehmenskultur, Führung und Teamarbeit.

Eine Karriere der Vielseitigkeit

Rainer Schnabl bringt über 27 Jahre Bankerfahrung in seine neue Rolle bei der Raiffeisen Bank International (RBI) ein, wo er seit März 2026 als Vorstandsmitglied für Corporate and Investment Banking Products and Solutions tätig ist. Sein Weg durch den Raiffeisen-Konzern war bewusst vielseitig gestaltet: von Private Equity und strukturierter Finanzierung bei der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich über die Leitung des Retail-Geschäfts und die fast siebenjährige Führung der Raiffeisen Capital Management bis hin zur jüngsten Tätigkeit als CEO der Raiffeisen Bank Bosnien und Herzegowina. Diese Bandbreite ist kein Zufall – sie ist das Fundament effektiver Führung und soliden unternehmerischen Urteilsvermögens.

Führung geprägt durch Beobachtung

Schnabl spricht offen darüber, was seinen Führungsstil geprägt hat: Es war kein einzelner prägender Moment, sondern eine Reihe von Beobachtungen – oft auch davon, wie man es nicht machen sollte. Respektloses Verhalten, mangelnde Vorbereitung und Geringschätzung bei Führungskräften früh in seiner Karriere hinterließen einen bleibenden Eindruck.

„Wenn ich die Chance habe, eine Führungsrolle zu übernehmen, möchte ich dieses Verhalten unbedingt vermeiden", reflektiert er.

Sein Leitprinzip ist klar: Behandle Menschen so, wie du selbst behandelt werden möchtest – unabhängig von der Hierarchie. Zudem legt er großen Wert auf die Bereitschaft, Entscheidungen angesichts neuer Erkenntnisse zu revidieren – eine Eigenschaft, die er als Zeichen echter Führungsstärke betrachtet, nicht als Schwäche.

Für diejenigen, die eine Führungsrolle anstreben, nennt Schnabl Einsatzbereitschaft, die Fähigkeit, konstruktiv Stellung zu beziehen, und die Bereitschaft, einen bedeutsamen Beitrag zu Teamdiskussionen zu leisten, als frühe Indikatoren für Führungspotenzial. „Niemand wird als Führungskraft geboren", stellt er fest. „Aber wenn man die Fähigkeit und den Willen hat, seine Kompetenzen einzusetzen, ist man auf dem richtigen Weg."

Adaptive Führung über Märkte hinweg

Da Schnabl Teams in Österreich, in Mitteleuropa und auf dem Westbalkan geleitet hat, ist er bestens positioniert, um über die kulturellen Dimensionen von Führung zu sprechen. Seine Sichtweise ist eindeutig: Effektive Führung muss adaptiv sein. Unterschiedliche Märkte bringen unterschiedliche Teamkompetenzen, unterschiedliche Reifegrade der Märkte und unterschiedliche kulturelle Erwartungen an den Führungsstil mit sich.

„Es braucht Zeit, bis sich Mitarbeitende an deine Art zu führen gewöhnt haben, und bis du sie kennenlernst", sagt er. „So entsteht ein neuer Führungsstil."

Diese Anpassungsfähigkeit sei eines der wertvollsten Güter, die eine erfahrene Führungskraft entwickeln kann – und eines, das reine Schreibtischanalyse allein nicht liefern kann.

Zentral- und Osteuropa neu bewerten

Eine der pointierteren Beobachtungen Schnabls betrifft das anhaltende Missverständnis gegenüber den CEE-Märkten in Westeuropa. Er tritt entschieden gegen jede Vorstellung von regionaler Rückständigkeit auf.

Märkte wie Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Rumänien haben konstantes BIP-Wachstum gezeigt, während westeuropäische Volkswirtschaften zu kämpfen hatten. Weiter südlich ziehen Länder wie Slowenien, Kroatien und Serbien nennenswerte ausländische Investitionen an und entwickeln sich wirtschaftlich in einem Tempo, das veraltete Annahmen klar widerlegt.

Schnabl führt die anhaltende Skepsis teilweise auf historische Erinnerungen zurück – die Konflikte der 1990er Jahre sind für eine Generation, die heute in leitenden Entscheidungspositionen sitzt, noch lebendig. Doch er ist optimistisch. Da Montenegro und Albanien potenziell innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre der Europäischen Union beitreten könnten, sieht er einen möglichen Wendepunkt: „Wenn es einem dieser Länder gelingt, der Europäischen Union beizutreten, könnte das einen sehr positiven Einfluss auf die Ambitionen der anderen haben."

Der strategische Wert der RBI in der Region

Schnabl ist ebenso direkt in Bezug auf die Wettbewerbsposition der RBI. Der tiefe regionale Fußabdruck der Bank – der Zentral- und Südosteuropa umfasst und sich bis zu Märkten wie Usbekistan erstreckt – stellt ein strategisches Asset dar, das seiner Meinung nach intern manchmal unterschätzt wird.

„Wir können von enormem Wert sein, weil wir die Komplexität für unsere Kunden managen", sagt er. Für internationale Investoren – ob aus den USA, dem Vereinigten Königreich, Europa oder zunehmend aus China – erfordert die Navigation durch kleinere, fragmentierte Märkte genau die Art von lokalem Know-how und Beziehungsinfrastruktur, die die RBI über Jahrzehnte aufgebaut hat. Chinesische Unternehmen beispielsweise verkaufen nicht nur Waren in der Region, sondern errichten Produktionsstätten und investieren in erneuerbare Energien. Die Fähigkeit der RBI, diese Investoren mit lokalen Märkten zu verbinden, ist nach Schnabls Ansicht ein Alleinstellungsmerkmal, das größere Anerkennung verdient.

Risiken navigieren und Chancen ergreifen

Hinsichtlich der Risikolandschaft erkennt Schnabl an, dass Kunden seit 2020 in einem nahezu ununterbrochenen Krisenzustand operieren – COVID-19, der Krieg in der Ukraine und anhaltende geopolitische Spannungen im Nahen Osten haben Lieferketten und Marktzugänge gestört. Dennoch bleibt seine Perspektive konstruktiv.

„Jede Krise bietet auch Chancen", sagt er. Nearshoring-Trends kommen mehreren mitteleuropäischen Ländern zugute, da europäische Unternehmen die Resilienz ihrer Lieferketten neu bewerten. Und mit Blick auf die Zukunft sieht Schnabl die RBI in einer bedeutsamen Rolle beim eventuellen Wiederaufbau der Ukraine – mit echtem Mehrwert für das Land, die Firmenkunden und Finanzinstitutionen.

Technologie als nächste Schwelle

Schnabl hat eine klare Sicht darauf, wohin sich das Wholesale-Banking entwickelt. Blockchain, Tokenisierung und künstliche Intelligenz sind keine fernen Möglichkeiten – sie sind kurzfristige Prioritäten. Im Trade-Finance-Bereich können KI-gestützte Prozesse die Entscheidungsfindung beschleunigen, manuelle Arbeit reduzieren und die Betrugserkennung verbessern. Tokenisierung hat das Potenzial, die Teilnahme an Kredit- und Kapitalmärkten über das traditionelle Bankmonopol hinaus zu öffnen.

Seine Investitionsthese für die nächsten fünf Jahre konzentriert sich auf Technologie – nicht als Ersatz für menschliche Beziehungen, sondern als Enabler für schnelleren, einfacheren und zuverlässigeren Kundenservice. „Was auch immer wir auf der Technologieseite haben, es muss auch implementiert werden", stellt er fest. „Deshalb bin ich zuversichtlich für unser Geschäft – technologiegetriebene und -assistierte Produkte."

Die Lehre aus dem Retail-Banking ist aufschlussreich: Disruption, wenn sie kommt, bewegt sich schnell. Auch im Wholesale-Banking sollte man handeln statt zuzuwarten.

Geerdet bleiben auf Gruppenebene

Auf die Frage, wie er von einer Konzernvorstandsposition aus mit den Marktgegebenheiten in Berührung bleibt, ist Schnabls Antwort unmissverständlich: Vor Ort gehen. Netzwerkbanken besuchen, Kunden direkt treffen, mit Regulatoren in Kontakt treten und Beziehungen zu supranationalen Institutionen aufbauen – das alles gehört zum Kernbestandteil der Rolle.

„Es entspricht nicht meinem Verständnis einer Gruppenfunktion, in Wien zu sitzen und auf Berichte zu warten", sagt er. „Mein Verständnis ist, hinzugehen, statt besucht zu werden."

Es ist eine Philosophie, die ihm über drei Jahrzehnte hinweg gute Dienste geleistet hat – und eine, die seine Amtszeit bei der Raiffeisen Bank International entscheidend prägen wird.

Hören Sie mehr von den Top-Führungskräften der Geschäftswelt in unseren bisherigen Folgen:

Hier können Sie sich unsere vorherigen Episoden ansehen: 

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