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Rainer Schnabl sitzt in einem modernen Büro. Er trägt ein dunkles Sakko und ein helles Hemd, was auf ein formelles Geschäftsumfeld hindeutet. Große, vertikale Glasfenster im Hintergrund geben den Blick auf eine urbane oder industrielle Landschaft frei. Die Szene vermittelt Professionalität und eine moderne Arbeitsatmosphäre.

Von Zugang zu Wirkung: Warum die Zukunft des Investierens auf Vertrauen, Infrastruktur und Inklusion basiert

Rainer Schnabl erläutert, wie Wertpapierdienstleistungen transformiert werden, Kapitalmärkte gestärkt und die Rolle der Banken neu definiert wird, um Investitionen für eine breitere Gesellschaftsschicht zugänglicher, sinnvoller und nachhaltiger zu gestalten.

  • By Rainer Schnabl, Management Board Member, RBI
  • Success Stories

Investieren einfacher zu machen, ist wichtig. Es über die Zeit sinnvoll und nachhaltig zu gestalten, ist das, was wirklich zählt.

Sie stoßen zu einem Zeitpunkt zur RBI, an dem die Finanzmärkte tiefgreifende Veränderungen durchlaufen. Was macht diesen Moment für Sie so besonders?

Manchmal entwickeln sich Finanzmärkte schrittweise, doch es gibt auch Zeiten, in denen sich die Richtung grundlegend verändert. Genau das erleben wir gerade.

In ganz Europa rücken Kapitalmärkte immer mehr in den Mittelpunkt des alltäglichen Finanzlebens. Was früher als Spezialgebiet galt, wird für eine deutlich breitere Gesellschaftsschicht relevant. Dafür gibt es mehrere Gründe: demografischer Wandel, die Grenzen traditioneller Sparformen und ein wachsendes Bewusstsein, dass langfristige finanzielle Sicherheit einen aktiveren Zugang erfordert.

Für die Raiffeisen Bank International ist das ein besonders spannender Ausgangspunkt. Wir verfügen über langjährige, vertrauensvolle Kundenbeziehungen und sind in Mittel- und Osteuropa präsent – Regionen, in denen die Kapitalmarktteilnahme noch im Aufbau ist.

Diese Kombination bietet Chancen, aber auch Verantwortung. Denn, den Zugang zu Kapitalmärkten zu erweitern bedeutet nicht nur Verfügbarkeit, sondern vor allem Vertrauen zu schaffen.

Und vielleicht ist das eine der subtileren Herausforderungen im Bankwesen: etwas zugänglich zu machen, ohne es banal wirken zu lassen.

Wertpapierdienstleistungen werden oft als unsichtbare Infrastruktur wahrgenommen. Warum gewinnen sie gerade jetzt an Bedeutung?

Weil die Infrastruktur still und leise die Grenzen dessen definiert, was Kund:innen erleben können.

Jede Investition durchläuft eine Reihe von Prozessen: Ausführung, Abwicklung, Verwahrung, Asset-Servicing und Reporting. Funktionieren diese Abläufe reibungslos, bleiben sie unbemerkt. Kommt es jedoch zu Störungen, spüren Kund:innen die Auswirkungen sofort.

Was sich verändert hat, ist nicht nur die technologische Leistungsfähigkeit, sondern auch die Erwartungshaltung. Kund:innen gehen heute davon aus, dass Informationen sofort verfügbar sind, Prozesse zuverlässig laufen und Systeme miteinander vernetzt sind.

Dadurch rücken Wertpapierdienstleistungen in ein neues Licht: Sie sind nicht mehr nur eine notwendige Nachhandelsfunktion, sondern eine Grundvoraussetzung für Skalierbarkeit, Transparenz und Vertrauen.

„Gute Infrastruktur lenkt nicht ab, aber sie prägt jede Erfahrung.“

Die Modernisierung dieser Ebene bedeutet deshalb weniger eine isolierte Optimierung, sondern vielmehr, das gesamte Investment-Ökosystem reibungsloser und effizienter zu gestalten.

Welche Rolle spielen Investmentprodukte für die gesellschaftliche Entwicklung – insbesondere, wenn es darum geht die Teilnahme an Kapitalmärkten zu erhöhen und das Rentensystem zu stärken?

Ihre Bedeutung wächst und wird immer sichtbarer.

Aktuelle Daten von Institutionen wie der Europäischen Zentralbank und Eurostat zeigen, dass europäische Haushalte weiterhin einen deutlich größeren Anteil ihres Vermögens in Einlagen und Bargeld halten als ihre US-amerikanischen Pendants – etwa ein Drittel in der EU gegenüber knapp einem Zehntel in den USA.

Das spiegelt ein stärker bankorientiertes Finanzsystem in Europa wider, in dem die Teilnahme am Kapitalmarkt vergleichsweise gering ist. Diese Lücke ist mehr als eine Statistik – sie zeigt ein strukturelles Ungleichgewicht.

Eine breitere Kapitalmarktteilnahme ermöglicht es den Menschen, direkter vom Wirtschaftswachstum zu profitieren, langfristig Vermögen aufzubauen und ihr Portfolio zu diversifizieren. Dabei geht es nicht darum, Risiken zu fördern, sondern eine informierte Teilhabe zu ermöglichen.

Das wird besonders wichtig, wenn man die Rentensysteme betrachtet. Die demografischen Herausforderungen sind bekannt und erhöhen den Druck auf die öffentliche Altersvorsorge. Die Stärkung der zweiten Säule – kapitalmarktorientierte private Altersvorsorge – ist daher keine Option, sondern eine Notwendigkeit.

Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht brauchen wir tiefere Kapitalmärkte, um mehr Investitionen in Schlüsselbereiche für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit der EU zu lenken – etwa Künstliche Intelligenz, Infrastruktur, Energieversorgung und Verteidigung.

Damit dieser Wandel gelingt, müssen Investmentprodukte drei Voraussetzungen erfüllen: Sie müssen zugänglich sein, verständlich sein, und Vertrauen genießen.

Keine dieser Voraussetzungen darf als selbstverständlich betrachtet werden.

Neobroker haben die Art und Weise, wie Menschen investieren, verändert. Wie sollten Banken darauf reagieren?

Neobroker haben frischen Schwung in den Markt gebracht. Sie haben den Zugang vereinfacht, Kostenstrukturen herausgefordert und die Erwartungen an digitale Nutzererlebnisse neu definiert.

Dieser Wandel war wichtig und in vielerlei Hinsicht überfällig.

Gleichzeitig konzentrieren sich Neobroker oft vor allem auf die Abwicklung von Transaktionen. Zugänglichkeit ist zwar essenziell, aber nur ein Teil des langfristigen Vermögensaufbaus.

Die Rolle der Banken entwickelt sich daher weiter – nicht als Gegenmodell, sondern als Ergänzung.

Wir haben die Chance, auf den Verbesserungen aufzubauen und diese, um Aspekte zu erweitern, bei denen Tiefe und Kontinuität entscheidend sind. Das heißt, Kund:innen nicht nur beim Kauf zu begleiten, sondern sie auf ihrer gesamten finanziellen Reise zu unterstützen – wenn sich Portfolios entwickeln, Ziele sich ändern und langfristige Planung an Bedeutung gewinnt.

Dafür ist es notwendig, die gesamte Wertschöpfungskette zu verbinden: Wenn intuitive Front-End-Lösungen durch effiziente Ausführung, zuverlässige Verwahrung und hochwertigen Service ergänzt werden, entsteht ein konsistentes Erlebnis – und Konsistenz ist es, die Vertrauen über die Zeit aufbaut.

„Zugänglichkeit mag die Tür öffnen, aber Vertrauen hält  Kund:innen langfristig.“

Gerade im Bereich der Altersvorsorge ist diese Unterscheidung besonders wichtig.

Welche Entwicklungen sehen Sie entlang der Wertpapierdienstleistungskette?

Wir bewegen uns auf ein stärker integriertes und industrialisiertes Modell zu, wobei der Wandel eher schrittweise als disruptiv erfolgt.

Die Automatisierung nimmt zu, vor allem bei Abwicklung und Corporate Actions. Daten werden standardisierter, was Skalierbarkeit und Interoperabilität verbessert. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Transparenz und Aktualität weiter.

Zukünftig werden digitale Vermögenswerte und tokenisierte Instrumente den Umfang dessen erweitern, was bestehende Infrastrukturen leisten müssen. Diese Neuerungen werden bestehende Systeme nicht über Nacht ersetzen, aber sie erfordern deutlich mehr Flexibilität.

Die Herausforderung besteht darin, die Infrastruktur weiterzuentwickeln, ohne die Stabilität zu gefährden – also so zu modernisieren, dass Komplexität reduziert wird, statt sie zu verlagern.

Wie beeinflusst der RBI-Footprint Ihre strategische Ausrichtung?

Unsere Präsenz in Mittel- und Osteuropa ist ein klarer Vorteil. Viele dieser Märkte entwickeln ihre Kapitalmarktökosysteme noch, was sowohl Dynamik als auch Chancen schafft.

Wir können aktiv dazu beitragen, die Teilnahme zu erhöhen, den Zugang zu Investmentlösungen zu verbessern und Marktstrukturen zu stärken. Das ist ein konkreter Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur finanziellen Inklusion.

Gleichzeitig agieren wir in einem größeren europäischen Kontext. Kapitalmärkte sind zunehmend vernetzt, und unser Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die lokal relevant sind und zugleich mit übergeordneten Standards und Entwicklungen harmonieren.

Die Balance zwischen regionaler Stärke und internationaler Vernetzung sehen wir als großes Potenzial.

Wie sieht für Sie Erfolg in der Zukunft aus?

Erfolg hängt für mich eng mit Relevanz und Vertrauen zusammen.

Wenn es uns gelingt, Investieren zugänglicher zu machen, wenn wir Benutzerfreundlichkeit mit Substanz und Verantwortung verbinden, dann sind wir auf dem richtigen Weg.

Letztlich geht es darum, ob Kund:innen sich sicher fühlen, sich nicht nur gelegentlich, sondern als festen Bestandteil ihrer langfristigen Finanzplanung systematisch mit Kapitalmärkten auseinanderzusetzen.

Wenn wir diesen Wandel unterstützen können, schaffen wir nicht nur Wert für die Bank und unsere Kund:innen, sondern tragen auch zu einer größeren finanziellen Resilienz in der Gesellschaft bei.

Und das ist, davon bin ich überzeugt, ein sinnvolles Ziel, für das es sich zu arbeiten lohnt.

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