Zürs Investor Conference 2026: Von Quantentechnologien bis zur europäischen Infrastruktur
Die Zürs Investor Conference 2026, veranstaltet von der Raiffeisen Bank International und der unabhängigen Finanzgruppe ODDO BHF, brachte institutionelle Investoren mit börsennotierten und nicht börsennotierten Unternehmen zu drei Tagen intensiven Austauschs zusammen.
Die Konferenz fand vom 13. bis 15. April in Zürs am Arlberg (Österreich) statt und bot eine Plattform, um sich unabhängig von kurzfristigem Marktrauschen mit langfristigen Fragestellungen der europäischen Kapitalmärkte zu beschäftigen. Die Besucher:innen nahmen an rund 1.000 vorab vereinbarten Einzel- und Kleingruppengesprächen teil, ergänzt durch hochkarätige Podiumsdiskussionen. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse für Sie zusammengefasst.
Panel 1: Österreichische Spitzenreiter in der Quantentechnologie
Das erste Panel am 13. April vereinte Perspektiven aus Forschung, Industrie und Investment-Community zur Quantentechnologie.
Henrietta Egerth (FFG) gab einen Überblick über die Quantentechnologie in Österreich, die ein hohes Innovations- und Forschungspotenzial bietet und das Land zu einem relevanten und wettbewerbsfähigen Akteur in Europa macht. Sie betonte, dass sowohl öffentliche Fördermittel als auch private Investitionen für den Aufbau des Ökosystems notwendig seien.
Magdalena Hauser und Wolfgang Lechner von Parity Quantum Computing, Thomas Monz von Alpine Quantum Technologies und Rupert Ursin von Quantum Technologies Group präsentierten die jeweiligen Ansätze ihrer Unternehmen zur Quantentechnologie und aktuelle Fortschritte. Während ihre unterschiedlichen Strategien die Breite und Tiefe des österreichischen Quantentechnologie-Ökosystems widerspiegeln, liegt der gemeinsame Fokus auf der Entwicklung skalierbarer Quantensysteme und der technologischen Weiterentwicklung mit starkem Augenmerk auf den Übergang von forschungsgetriebener Innovation zu kommerziell nutzbaren Anwendungen.
Für Stéphane Hour, Head of Research bei ODDO BHF, ist Quantentechnologie bereits am Markt sichtbar, befindet sich jedoch noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Er nimmt wachsendes Investoreninteresse wahr, verbunden mit einer gewissen Vorsicht aufgrund technologischer und kommerzieller Unsicherheiten.
Bei der anschließenden Diskussion unter der Leitung von Stefan Maxian, Director Equity Capital Markets bei der Raiffeisen Bank International, wurde erörtert, wie österreichische und europäische Akteure in einem sich schnell entwickelnden Markt global wettbewerbsfähig bleiben. Die wichtigsten Erkenntnisse waren die Notwendigkeit einer stärkeren internationalen Positionierung und proaktiveren Investorenkommunikation, die Bedeutung der Erweiterung von Finanzierungsstrukturen und strategischen Partnerschaften sowie ein verstärkter Fokus auf Kommerzialisierung, Skalierbarkeit und reale Geschäftsanwendungen. Es herrschte Einigkeit über das signifikante langfristige Potenzial für Industrie und Wirtschaft mit einem enormen transformativen Potenzial und der Möglichkeit, dass Quantentechnologie der nächste große Durchbruch nach KI sein könnte.
Panel 2: Infrastrukturinvestitionen als Schlüssel für den europäischen Aufschwung
Das zweite Panel am 14. April, moderiert von Markus Remis von ODDO BHF, bot durch eine starke Mischung aus Ökonomen, Branchenführern und Investmentexperten eine ganzheitliche Perspektive auf die Infrastrukturentwicklung in Europa.
Die Diskussion zwischen Gunter Deuber (RBI), Stefan Kratochwill (STRABAG), Klemens Eiter (PORR), Felix Strohbichler (PALFINGER) und Marc Caretti (Raiffeisen Capital Management) drehte sich um die Investitionslücke in Europa. Es herrschte breite Übereinstimmung, dass jahrelange strukturelle Unterinvestitionen die wirtschaftliche Leistung negativ beeinflusst haben. Das deutsche „Sondervermögen“ von 500 Milliarden Euro wurde als bedeutende Impulsmaßnahme hervorgehoben, wobei die Teilnehmer trotz nur teilweiser Schließung der bestehenden Investitionslücke eine klar positive wirtschaftliche Wirkung erwarten.
Stefan Kratochwill (STRABAG) und Klemens Eiter (PORR) identifizierten eine starke Marktpositionierung als entscheidenden Vorteil, um von groß angelegten öffentlichen Ausgabenprogrammen zu profitieren, und sehen Infrastrukturinvestitionen als wichtigen Wachstumstreiber für den Sektor. Gleichzeitig sehen sie Herausforderungen und betonten die Notwendigkeit, Ausschreibungsprozesse zu straffen, um Verzögerungen in Verwaltungsabläufen zu vermeiden. Andere Unternehmen mit Bezug zum Bausektor können indirekt von erhöhten Infrastrukturinvestitionen profitieren, erwartet Felix Strohbichler vom Kranhersteller PALFINGER. Seiner Meinung nach zeigt der österreichische Markt derzeit eine unterdurchschnittliche Dynamik, wobei der Tiefbau als relativer Lichtblick in einem ansonsten schwächeren Umfeld gilt.
Die Gesamtstimmung war optimistisch. Die Teilnehmer waren sich einig, dass Infrastrukturinvestitionen ein wichtiger Hebel für die wirtschaftliche Erholung in Europa sind, wobei sie eine klare Notwendigkeit für schnellere Umsetzung und effizientere regulatorische Rahmenbedingungen betonten.
Panel 3: Ausblick auf die europäischen Aktienmärkte
Am 15. April diskutierten die Panelteilnehmer unter der Moderation von Roman Eisenschenk (Co-Head of Equity Sales Austria & CEE, ODDO BHF) die Marktaussichten mit einer deutlichen Divergenz zwischen Wachstumsoptimismus und geopolitischer Vorsicht. Während KI als zentraler Treiber des aktuellen Aktienmarktoptimismus identifiziert wurde, gewinnt die Sektoren-Differenzierung zunehmend an Bedeutung. Geopolitische Entwicklungen bleiben ein wichtiger Unsicherheitsfaktor, dennoch werden Aktien trotz Risiken weiterhin als Kernanlageklasse gesehen.
Günther Schmitt (Head of Equities, Developed Markets, Raiffeisen Capital Management) sieht weiterhin Erfolg mit starkem Fokus auf Technologietitel und zeigt eine vorsichtigere Haltung gegenüber dem Automobilsektor. Thomas Zlowodzki (Leiter Aktienstrategie, Oddo BHF) teilt den positiven Marktausblick und sieht auch ein durch KI getriebenes Gewinnmomentum.
Miro Zuzak (Chief Investment Officer, JMS Invest) gab einen etwas negativeren Gesamtmarktausblick und sieht eine Neuordnung der globalen Weltordnung aufgrund geopolitischer Risiken, einschließlich des Iran-Konflikts. Er hob mögliche Bedrohungen für Lieferketten, Energiemärkte und den Chemiesektor hervor. Zudem äußerte er eine negative Einschätzung für Software und erwartet weiteres Abwärtspotenzial. Andererseits identifizierte er eine positive Entwicklung für europäische Infrastruktur und Gesundheitswesen, wobei KI ebenfalls als unterstützender Faktor in ausgewählten Sektoren gesehen wird.
Tobias Mock (Managing Director, Country Head Deutschland, S&P Global) lieferte eine Perspektive auf den Kreditmarkt. Er identifizierte Risiken im privaten Kreditsektor, erwartet jedoch keinen signifikanten Zinsschock oder abrupte Zinsänderungen aufgrund der Inflation.
Dank der hochkarätigen Referent:innen diente die diesjährige Konferenz erneut als Plattform für tiefgehende Diskussionen, mit denen wir zentrale Themen und Trends der europäischen Kapitalmärkte aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten konnten. Wir freuen uns auf die Konferenz im nächsten Jahr und hoffen, Sie dort ebenfalls begrüßen zu dürfen!