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Integrierte Wertpapierdienstleistungen: Globaler Zugang trifft auf lokale Marktexpertise

Obwohl moderne Technologie Wertpapiertransaktionen ohne Frage beschleunigt, gehört zu einem erfolgreichen Marktzugang noch viel mehr: vernetzte Infrastruktur, verlässliche Prozesse und Menschen, die verstehen, wie die einzelnen Märkte funktionieren. Christian Geberth, Head of Group Prime Services, erläutert, wie die RBI diese Faktoren in einem umfassenden regionalen Modell zusammenführt, um Retail-, Unternehmens- und institutionelle Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette für Wertpapierdienstleistungen zu betreuen. 

  • Market Trends

Ein Trade dauert nur Millisekunden. Der Prozess dahinter nicht.

Ein Kauf- oder Verkaufsauftrag kann den Markt innerhalb von Millisekunden erreichen. Für Anleger ist damit die Transaktion jedoch noch nicht abgeschlossen. Nach der Ausführung müssen die Geschäfte gecleart und abgewickelt werden. Die daraus resultierende Position muss korrekt im Kundendepot erscheinen. Ertragszahlungen und Kapitalmaßnahmen müssen verarbeitet, regulatorische Anforderungen erfüllt und verlässliche Informationen genau dann bereitgestellt werden, wenn Kunden sie benötigen. Umfassen Anlagen mehrere Märkte, werden diese Schritte noch anspruchsvoller. 

Die Frage nach der reinen Geschwindigkeit einer Orderausführung rückt damit in den Hintergrund, interessanter ist vielmehr: Wie können Kunden den gesamten Wertpapierlebenszyklus durchlaufen, ohne bei jedem Schritt und in jedem Markt ein andere Prozesse bedienen zu müssen? 

Services entlang der Customer Journey gestalten

„Bei den RBI Group Prime Services beziehen wir bei dieser Frage die vollständige Customer Journey mit ein. Brokerage, Verwahrung, Asset Servicing, Fonds-Brokerage und Fonds-Administration werden als Bestandteile einer integrierten Wertschöpfungskette für Wertpapierdienstleistungen gebündelt“, erklärt Christian Geberth, Head of Group Prime Services (GPS). 

In fragmentierten Märkten müssen unterschiedliche Infrastrukturen, regulatorische Anforderungen, Abwicklungsprozesse und Marktentwicklungsstufen berücksichtigt werden. GPS bietet für diese einzelnen Marktumfelder einen einheitlichen Rahmen, mit dem Kunden ihre Reichweite über ein breiteres regionales Netzwerk ausbauen können. 

 

Ein konsistenter Prozess entlang der gesamten Wertschöpfungskette

„Unser GPS-End-to-End-Modell macht diese Märkte für Kunden skalierbar, indem es Business, Produkte, Technologie und Operations miteinander verbindet“, so der Experte. Standardisierte Prozesse, abgestimmte Zugangsmodelle und eine gemeinsame digitale Infrastruktur schaffen eine Grundlage, die marktübergreifend erweitert werden kann. Gleichzeitig sorgen lokale Teams dafür, dass die spezifischen Anforderungen jedes einzelnen Marktes verstanden und angemessen berücksichtigt werden. 

„Unser Ziel ist es, einen konsistenten Prozess zu schaffen – von der Ordererteilung und Ausführung über Clearing und Settlement bis hin zu Verwahrung, Asset Servicing, Compliance-Unterstützung und Datenservices“, fasst er zusammen. 

Es geht nicht darum, alle Märkte zu vereinheitlichen. Ziel ist vielmehr ein Modell, das Kunden einen einheitlichen Zugang zu unterschiedlichen Märkten bietet und gleichzeitig lokale Besonderheiten berücksichtigt. So können sie ihre Marktabdeckung erweitern, ohne für jeden neuen Markt eigene Prozesse und Strukturen aufbauen und koordinieren zu müssen. 

Das Ergebnis ist nicht bloß ein breiteres Produktangebot. Es ist ein auf Kundenerlebnis, Kontinuität und Skalierbarkeit ausgerichtetes Servicemodell: ein vernetzter Prozess, unterstützt von Spezialisten entlang der gesamten Wertschöpfungskette, mit weniger von den Kunden selbst zu steuernden Schnittstellen und Übergaben. 

Kunden betrachten Brokerage, Settlement, Verwahrung und Reporting nicht als isolierte Produkte. Sie sehen einen einzigen Anlageprozess. Unsere Verantwortung besteht darin, diesen Prozess zu verbinden und dabei Marktzugang, operative Verlässlichkeit, digitale Infrastruktur und lokale Expertise in einem konsistenten, nahtlosen Servicemodell zu bündeln.

Wo digitales Tempo auf menschliche Expertise trifft

Die Technologie hat auch jenen Punkt verändert, an dem eine Transaktion den Markt erreicht. Orders können schneller übermittelt werden, Handelsplätze sind stärker vernetzt und moderne Tools können Liquidität über mehrere Kanäle hinweg analysieren. „Unser Trading-Team beschreibt dieses Umfeld als Schnittstelle zwischen menschlicher Expertise und digitalem Tempo.“ Die meisten Orderflüsse profitieren von einer effizienten automatisierten Ausführung. Andere Transaktionen erfordern mehr Aufmerksamkeit – insbesondere bei fragmentierter Liquidität, wenn eine Order verhältnismäßig groß ist oder wenn regionale Marktbesonderheiten berücksichtigt werden müssen. 

Smart Order Router: Ausführungsqualität und effizienter Zugang zu Liquidität

„Wir treffen keine Anlageentscheidungen für unsere Kunden. Unsere Aufgabe ist es, die passenden Ausführungskanäle, Infrastruktur und professionelle Unterstützung bereitzustellen, um ihre Entscheidungen umzusetzen.“ 

Die RBI bietet unter anderem algorithmisches Trading, Request-for-Quote-Lösungen und ein White-Label-Smart-Order-Router. Der Smart Order Router kann die Liquidität über mögliche Handelsplätze hinweg prüfen und eine übergeordnete Order entsprechend der verfügbaren Liquidität in kleinere Teilorders aufteilen. Damit werden die Ausführungsqualität und der effiziente Zugang zu Liquidität unterstützt, anstatt die gesamte Order automatisch an einen einzigen Handelsplatz zu leiten. 

Global Investor Gate: Betreuung über den gesamten Wertpapierlebenszyklus

Die digitale Customer Journey endet nicht mit der Ausführung einer Order. Global Investor Gate ist die zentrale digitale Schnittstelle für Kunden entlang des gesamten Wertpapierlebenszyklus. Die Plattform bündelt Informationen zu Beständen, Transaktionen und dem Abwicklungsstatus und umfasst Services wie Order-Monitoring, Abwicklungsinstruktionen, Kapitalmaßnahmen und Fondsservices. 

Die Plattform ist für eine gruppenweite Nutzung innerhalb der RBI konzipiert. Im Jahr 2025 wurde die Raiffeisen Bank Hungary als erste Netzwerkbank mit Global Investor Gate White Label live geschaltet. Das verdeutlicht, wie eine zentral entwickelte Lösung an lokale Anforderungen angepasst werden kann. Der Ansatz „Einmal entwickeln, gruppenweit skalieren“ unterstützt das übergeordnete GPS-Modell: eine gemeinsame digitale Grundlage in Kombination mit lokaler Marktexpertise. 

Doch Ausführungsqualität und digitaler Zugang sind nur dann relevant, wenn die Transaktion auch erfolgreich abgeschlossen wird. Ein schneller Trade, der bei Settlement, Kontoführung oder Reporting zu Reibungsverlusten führt, schafft keine nahtlose Kundenerfahrung. „An diesem Punkt wird aus der Trading-Story eine Wertpapierdienstleistungs-Story.“ 

Wertpapierverwahrung: Ein Zugangsmodell, viele lokale Gegebenheiten

Mittel- und Osteuropa ist zwar eine vernetzte Region, aber kein einheitlicher Wertpapiermarkt: regulatorische Rahmenbedingungen, Settlement-Prozesse, Fristen und operative Konventionen sind lokal unterschiedlich. Separate Anbieter und Prozesse in jedem Markt können zu erheblichem Koordinationsaufwand führen. Ein rein zentralisierter Ansatz wiederum könnte in der Praxis entscheidende Details für das lokale Funktionieren eines Services übersehen.  

Ein wirksames regionales Modell benötigt daher sowohl Standardisierung als auch lokales Wissen. RBI kombiniert einen zentralen Zugangspunkt mit direkten Verbindungen zu lokalen Marktinfrastrukturen und arbeitet mit lokalen Raiffeisenbanken und ausgewählten Marktpartnern zusammen. Je nach Markt und Dienstleistung profitieren Kunden von abgestimmten vertraglichen und operativen Vereinbarungen, digitalem Informationszugang und Unterstützung durch Teams, die mit lokalen Praktiken vertraut sind. Das umfassende Verwahrangebot von RBI deckt mehr als 50 Märkte ab, mit besonderem Fokus auf Zentral- und Osteuropa sowie direkten Verbindungen zu lokalen Zentralverwahrern in zehn Märkten. 

Das Modell beschränkt sich nicht auf Märkte innerhalb der Europäischen Union, sondern schafft auch eine Grundlage für die Betreuung von Märkten im Westbalkan und für den Ausbau der RBI-Konnektivität in Richtung Zentralasien, wo die RBI eine direkte Verbindung zum Zentralverwahrer in Usbekistan etabliert hat. 

„Mit der Weiterentwicklung des Netzwerks investieren wir auch in Technologie, die das zugrundeliegende Servicemodell effizienter und skalierbarer machen kann“, erklärt Christian Geberth. „Dazu zählt der erste praktische KI-Anwendungsfall im Verwahrgeschäft der RBI Gruppe, der auf die Automatisierung von Offenlegungsanfragen durch Agenten ausgerichtet ist.“ Solche Lösungen können repetitive operative Tätigkeiten reduzieren und die konsistente Verarbeitung von Informationen über Märkte hinweg unterstützen, während relevante Expertise, Kontrollen und Verantwortlichkeiten bei den jeweiligen Teams verbleiben. 

Best Practices: Ukraine

Moderne Technologie kann dazu beitragen, den Rahmen skalierbar zu machen. Seine tatsächliche Tiefe erhält das Modell jedoch durch die Menschen und Institutionen in den einzelnen Märkten. Besonders deutlich wird dies in der Zusammenarbeit zwischen der Raiffeisen Bank International in Wien und der Raiffeisen Bank Ukraine in Kyjiw. 

„Die Ukraine bleibt ein besonderer Fokus für die RBI Group“, sagt Christian Geberth. „Mit der Initiative Rebuild with Ukraine wollen wir internationale Expertise und eine starke lokale Präsenz verbinden, um globales Kapital mit lokalen Chancen zusammenzubringen und den langfristigen Wandel der Ukraine zu unterstützen.“ Die Beziehung zwischen Wien und Kyjiw bietet damit ein konkretes Beispiel dafür, wie das regionale Modell von RBI funktioniert: internationale Reichweite und koordinierter Zugang auf der einen Seite, lokale Infrastruktur und unmittelbare Marktexpertise auf der anderen. 

Fazit: Der Mehrwert liegt jenseits des Trades

Die Zukunft der Wertpapierdienstleistungen wird zweifellos schnellere Ausführungen, mehr Automatisierung, eine bessere Nutzung von Daten und neue KI-gestützte Möglichkeiten umfassen. Das zugrunde liegende Kundenbedürfnis bleibt jedoch gleich: verlässlicher Zugang zu Märkten und das Vertrauen darauf, dass der gesamte Prozess funktioniert. 

Technologie schafft Schnelligkeit und Skalierbarkeit. Standardisierte Prozesse sorgen für Konsistenz und Kontrolle. Lokale Teams bringen das praktische Wissen ein, um sich in unterschiedlichen Märkten zurechtzufinden. Verwahrung und Asset Servicing stellen sicher, dass die Customer Journey auch nach der Ausführung einer Order verlässlich weitergeht. 

RBI Group Prime Services bündelt diese Leistungen in den Bereichen Brokerage, Verwahrung, Asset Servicing, Fondsservices und digitaler Zugang. Ein Anbieter kann die Tür zu einem Markt öffnen. Der größere Mehrwert liegt darin, Kunden zu unterstützen, sich darin zu bewegen – von der ersten Order bis zu allen weiteren Schritten.