Rainer Schnabl
CIB Products & Solutions
Der Wiederaufbau der Ukraine erfordert privates Kapital, starke Partnerschaften und langfristiges Engagement. In diesem Blogbeitrag erläutert Rainer Schnabl, Mitglied des Vorstands der Raiffeisen Bank International (RBI) warum der Wiederaufbau nicht nur eine Verantwortung, sondern auch eine große Chance für Unternehmen und Investoren darstellt.
Das diesjährige Leitthema des Europäischen Forums Alpbach lautete „How Europe Wins“. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft diskutierten darüber, wie Europa sich anpassen muss, um bei den entscheidenden Zukunftsfragen wieder eine führende Rolle einzunehmen. Im Rahmen des Forums veranstaltete die RBI die Podiumsdiskussion „Rebuild with Ukraine: Moving Ambition to Action“, bei der Wolfgang Anzengruber, Regierungskoordinator für den Wiederaufbau der Ukraine, Artem Rybchenko vom ukrainischen Ministerium für die Entwicklung von Gemeinden und Territorien, Markus Mitteregger, CEO der RAG AG, Bettina Gusenbauer, Head of Corporate Affairs bei der ÖBB, und ich über ein Thema diskutierten, das ich für eine der entscheidenden Zukunftsfragen Europas halte: den Wiederaufbau der Ukraine.
Wenn wir über den Wiederaufbau der Ukraine sprechen, müssen wir uns zunächst die enormen Herausforderungen vor Augen führen, die sich aus den Zerstörungen infolge von mehr als vier Jahren großflächigen Krieges ergeben. Der andauernde Krieg bleibt eine große Herausforderung für die Ukraine und Europa. Doch jede Krise schafft auch Chancen. Ich bin überzeugt, dass der Wiederaufbau der Ukraine eines der bedeutendsten wirtschaftlichen Transformationsprojekte sein wird, das Europa in den kommenden Jahrzehnten erleben wird.
Die Ukraine hat die Chance, nicht nur das Verlorene wiederherzustellen, sondern eine moderne, wettbewerbsfähige und widerstandsfähige Wirtschaft aufzubauen. Für Unternehmen, Investoren und Finanzinstitute bedeutet dies sowohl Verantwortung als auch eine historische Geschäfts- und Investitionschance. Das Ausmaß des notwendigen Wiederaufbaus der vom Krieg gezeichneten Wirtschaft ist enorm. Der Wiederaufbau von Wohnraum, kritischer Infrastruktur, Energiesystemen, Verkehrsnetzen und Unternehmen wird unzählige Projekte und Investitionen in Milliardenhöhe erfordern, insbesondere in Bereichen wie Energie, Infrastruktur, Landwirtschaft, Industrie und Logistik. In diesen Sektoren wird die Expertise österreichischer sowie zentral- und osteuropäischer Unternehmen dringend benötigt.
Für internationale Unternehmen reichen die Chancen weit über den Wiederaufbau selbst hinaus. Die europäische Integration der Ukraine, ihre hoch qualifizierten Arbeitskräfte, ihre starke landwirtschaftliche Basis, ihr wachsender Technologiesektor und ihre strategische Bedeutung für künftige europäische Lieferketten eröffnen überzeugende langfristige Perspektiven. Unternehmen, die sich frühzeitig engagieren, lokale Partnerschaften aufbauen und Marktkenntnisse entwickeln, werden gut positioniert sein, um am künftigen Wachstum der Ukraine teilzuhaben und zugleich zu ihrer Erholung beizutragen. Ein Wiederaufbau in diesem Ausmaß erfordert privates Kapital. Zwar bekunden viele Unternehmen Interesse an Investitionen in der Ukraine, doch bislang haben nur vergleichsweise wenige Projekte den Schritt von der Diskussion zur Umsetzung geschafft. Die Gründe dafür sind nachvollziehbar. Investoren brauchen Stabilität, ein sicheres Geschäftsumfeld und starke Institutionen, die Investitionsplanung und Projektumsetzung ermöglichen. Der Krieg dauert jedoch an, und die Unsicherheit bleibt bestehen.
Dennoch sind bestimmte Investitionen und Projekte bereits heute möglich. Banken wie die RBI können eine entscheidende Rolle dabei spielen, sie zu realisieren: Raiffeisen ist seit vielen Jahren in der Ukraine präsent und steht weiterhin an der Seite des Landes. Unsere fast 5.000 Kolleginnen und Kollegen in der Ukraine betreuen Kundinnen und Kunden täglich unter außerordentlich schwierigen Bedingungen. Unsere langjährige Präsenz, unsere lokalen Beziehungen und unsere Erfahrung ermöglichen es uns, das Land in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen:
Erstens sind wir gut positioniert, um internationale Investoren, Unternehmen und Entwicklungsinstitutionen mit ukrainischen Partnern zusammenzubringen und konkrete Wiederaufbauprojekte zu entwickeln.
Zweitens können wir diese Projekte mit maßgeschneiderten Finanzierungslösungen, Risikoteilungsmodellen sowie Partnerschaften mit internationalen Finanzinstitutionen, lokalen Unternehmen und Behörden ermöglichen. Unsere Lösungen können die nötige Stabilität und Planbarkeit für privatwirtschaftliche Investitionsprojekte schaffen.
Aktuelle Wiederaufbauprojekte und -aktivitäten unterstreichen dies, darunter neue Fazilitäten gemeinsam mit der EBRD und durch Exportagenturen abgesicherte Finanzierungsprojekte. Darüber hinaus prüfen wir weitere Investitionen und Partnerschaften, die den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Entwicklung beschleunigen können. Damit positioniert sich die RBI als erste Ansprechpartnerin für Wiederaufbauprojekte in der Ukraine und unterstützt zugleich unsere übergeordnete Mission: eine führende Rolle bei der langfristigen Transformation und Entwicklung der ukrainischen Wirtschaft und Gesellschaft nach dem Krieg einzunehmen. Der Weg wird nicht einfach sein. Doch der Wiederaufbau hat bereits begonnen, und jedes erfolgreiche Projekt schafft Dynamik für das nächste. Die Ukraine baut ihre Zukunft wieder auf, während sie zugleich ihr Territorium und ihre Bevölkerung verteidigt. Dafür braucht es aus unserer Sicht Partner mit strategischer Perspektive und langfristigem Engagement.
Die RBI ist einer davon.
Rainer Schnabl ist Mitglied des Vorstands der RBI und für Corporate & Investment Banking verantwortlich. Zu seinen Schwerpunkten zählen internationale Kundenbeziehungen, Finanzierungslösungen und Investitionsinitiativen in der Region Zentral- und Osteuropa.
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