Bohdana Yefremova
Group Prime Services | Head of GPS Ukraine
Die Ukraine setzt ihr Ziel einer europäischen Finanzintegration zunehmend in gesetzgeberische und technische Maßnahmen um. Mit dem für 2027 angestrebten SEPA-Beitritt und der Modernisierung der Zahlungsinfrastruktur schafft das Land die Grundlagen für eine engere Anbindung an das europäische Finanzsystem.
Die Integration der Ukraine in den europäischen Finanzraum entwickelt sich von politischen Absichtserklärungen auf hoher Ebene hin zu konkreten infrastrukturellen Schritten. Während die Ukraine auf einen Beitritt zu SEPA bis Ende 2027 hinarbeitet, ergreifen sowohl die Regulierungsbehörden als auch die Zentralbank Maßnahmen, um den Rechtsrahmen und die Zahlungsinfrastruktur des Landes an europäische Standards anzugleichen.
Im August 2026 stellte der neu ernannte Premierminister Sergii Koretskyi dem Parlament das strategische Programm der Regierung für 2026–2027 vor. Der SEPA-Beitritt wird in dem Dokument als wichtiger Bestandteil der finanzpolitischen Agenda bezeichnet, und die formelle Frist für einen Antrag auf SEPA-Mitgliedschaft wurde auf 2027 festgelegt.
Die Erfüllung dieser Anforderung umfasst mehr als die Einhaltung formaler Verfahren: Die Ukraine muss ihren Rechtsrahmen vollständig an die EU-Richtlinien und die von der Financial Action Task Force (FATF) festgelegten Standards angleichen. Dies wird bereits umgesetzt, da das Parlament derzeit ein Paket von Gesetzentwürfen für den Finanzsektor prüft, das sich auf folgende Aspekte konzentriert:
In der Ukraine konzentriert sich ein großer Teil der öffentlichen Diskussion über SEPA auf einzelne Aspekte der vorgeschlagenen Gesetzgebung, insbesondere auf die Einrichtung eines Registers für Konten und individuelle Schließfächer natürlicher Personen sowie deren Auswirkungen auf das Bankgeheimnis. Für Finanzinstitute ist das Gesamtbild jedoch klar: eine berechenbare und EU-konforme regulatorische Grundlage.
Regulatorische Angleichung kann ohne technische Voraussetzungen nicht funktionieren. Die Nationalbank der Ukraine (NBU) modernisiert weiterhin ihr ‚System of Electronic Payments‘ (SEP). Das ukrainische SEP 4.1 wird heute als 24/7 ‚Real-Time-Gross-Settlement-System‘ (RTGS) für Zahlungen in Hrywnja betrieben und verwendet den ISO 20022 Messaging-Standard. Im Jahr 2025 verarbeitete das System 595 Millionen Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von UAH 273,6 Billionen, was einem Anstieg der Transaktionszahl um 23 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Als nächsten Schritt hat die Nationalbank SEP 4.2 angekündigt, eine Multi-Currency-Architektur zur Unterstützung inländischer Zahlungen in EUR, USD und anderen Währungen.
Die NBU hat bereits das Dokument „Key Principles for the Introduction of a Multi-Currency Regime in SEP“
(Упровадження стандарту ISO 20022) veröffentlicht, in dem der konzeptionelle Rahmen für das Projekt dargelegt wird. Die technische Dokumentation soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 veröffentlicht werden; später in diesem Jahr sollen Testing-Sandboxes für Geschäftsbanken und Softwareanbieter folgen. Die zentrale Implementierung wird sich über das Jahr 2027 erstrecken.
Zusammenfassend deuten diese Entwicklungen darauf hin, dass die Ukraine schrittweise von der Planung zur Umsetzung übergeht. Die Gesetzesreformen schreiten voran, die Zahlungsinfrastruktur wird modernisiert, und beide Maßnahmen zielen darauf ab, das Land näher an das europäische Finanzsystem heranzuführen
Für die Ukraine bedeutet SEPA weit mehr als günstigere Euro-Überweisungen. SEPA gilt weithin als ein weiterer Meilenstein auf dem Weg des Landes zur europäischen Finanzintegration, mit potenziellen Vorteilen, die von einfacheren grenzüberschreitenden Zahlungen und niedrigeren Transaktionskosten bis hin zu stärkeren wirtschaftlichen Beziehungen zu den EU-Märkten reichen.
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