Wie geht es mit dem Retail Banking bei der RBI weiter?
Retail Banking wird digitaler, doch Technologie allein schafft noch keinen Mehrwert für Kunden. Curt Chadha erklärt, warum Kundenbedürfnisse, Zusammenarbeit über Märkte hinweg und einfache, relevante Lösungen entscheidend sind.
Seit September 2026 leitet Curt Chadha das Group Retail Banking der Raiffeisen Bank International (RBI). Er verfügt über umfassende Erfahrung in den Bereichen Bankgeschäft, Zahlungsverkehr, digitale Innovation und Geschäftsentwicklung. Im Interview spricht er über seine Prioritäten in der neuen Funktion, die Chancen der Digitalisierung und darüber, wie eine engere Zusammenarbeit innerhalb der RBI das Retailgeschäft stärken kann.
Herr Chadha, Sie haben vor Kurzem Ihre neue Funktion als Head of Group Retail Banking bei der RBI übernommen. Was sind zum Start Ihre wichtigsten Prioritäten?
Im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen unsere Kunden und die Beziehungen, die wir zu ihnen aufbauen. Meine Priorität ist es, ihre Bedürfnisse zu verstehen und uns auf jene Initiativen zu konzentrieren, die einen konkreten Mehrwert für sie schaffen. Dafür müssen wir die Expertise aus der gesamten RBI zusammenführen, klare Prioritäten setzen und diese konsequent umsetzen. Digitale Innovation, eine engere Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe sowie relevante Produkte, Services und Kooperationen sind wichtige Bestandteile dieser Agenda.
Welche Erfahrungen und Perspektiven prägen Ihren Ansatz für das Retailgeschäft der RBI?
Ich bringe Erfahrung aus den Bereichen Bankgeschäft, Zahlungsverkehr, digitale Innovation und Geschäftsentwicklung mit. Mein Ansatz verbindet Ambition mit Pragmatismus. Gute Entscheidungen beruhen meiner Überzeugung nach auf Fakten, erfordern aber zugleich ein klares Verständnis dafür, was Kunden brauchen. In einer vielfältigen Bankengruppe wie der RBI bedeutet das auch, Expertise aus unterschiedlichen Märkten zusammenzuführen und in Lösungen zu übersetzen, die einen konkreten Mehrwert für Kunden schaffen. Dort, wo es für unser Geschäft besonders relevant ist, als eine Gruppe zu denken, ist ein Ansatz, den ich klar vertrete und in meine Funktion einbringe.
Die Digitalisierung ist eine zentrale Priorität für das Retailgeschäft der RBI. Wo sehen Sie die größten Chancen, das Kundenerlebnis über digitale Kanäle zu verbessern?
Unser Fokus liegt darauf, Kunden digital zu gewinnen, sie über mobile Kanäle anzusprechen und den digitalen Vertrieb relevanter Bankprodukte auszubauen. Letztlich müssen diese Fähigkeiten zu besseren Kundenerlebnissen und einem konkreten Mehrwert führen. In diesem Bereich liegen wir bereits über dem Marktniveau und verfügen über eine starke Basis, auf der wir aufbauen können. Technologie ist für mich dann besonders relevant, wenn sie uns hilft, Kundenbedürfnisse besser zu verstehen und zu erfüllen sowie Bankgeschäfte einfacher und bequemer zu machen. Sie zu nutzen, um die Kundenbeziehung zu vertiefen, wird entscheidend sein.
Die RBI betreut in ihren Märkten rund 11 Millionen Retailkunden. Wie kann eine engere Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe das Retailgeschäft stärken?
Die RBI verfügt über umfassende Expertise in ihren Netzwerkbanken und österreichischen Portfolios. Eine engere Zusammenarbeit ermöglicht es uns, dieses Wissen zusammenzuführen, Prioritäten abzustimmen und von Ansätzen zu lernen, die sich in einzelnen Märkten bewährt haben. Gleichzeitig muss die Umsetzung Kundenbedürfnisse, lokale Infrastruktur, regulatorische Rahmenbedingungen und weitere marktspezifische Anforderungen berücksichtigen. Es geht nicht um Vereinheitlichung um ihrer selbst willen. Vielmehr wollen wir unsere Größe und gemeinsame Expertise dort nutzen, wo dadurch ein klarer Mehrwert entsteht. Wir müssen als eine Gruppe denken und zugleich die notwendige Flexibilität in den einzelnen Märkten bewahren.
Der Zahlungsverkehr war ein zentrales Thema Ihrer jüngsten Rede mit Visa. Warum ist er für die Kundenbeziehung so wichtig?
Zahlungen zählen zu den häufigsten Interaktionen, die Kunden mit ihrer Bank haben, und sind daher ein zentraler Bestandteil der Kundenbeziehung im Alltag. Kunden erwarten, dass Zahlungen einfach, sicher und transparent sind. Sie vergleichen ihr Zahlungserlebnis auch mit digitalen Services außerhalb des Bankensektors, und das zu Recht. Deshalb müssen wir Zahlungsvorgänge verbessern, mehr Auswahl bieten und es Kunden erleichtern, jene Zahlungsoption zu nutzen, die ihren Bedürfnissen am besten entspricht. Ob uns das gelingt, zeigt sich letztlich an der Nutzung durch die Kunden.
Welche Entwicklungen werden mit Blick nach vorne für das Retailgeschäft der RBI besonders wichtig sein?
Die digitale Kundengewinnung, die Interaktion über mobile Kanäle und ein hochwertiges digitales Vertriebserlebnis werden wichtige Prioritäten bleiben. Darüber hinaus müssen wir die innerhalb der RBI vorhandene Expertise und die bestehenden Fähigkeiten besser nutzen und Innovationen in Lösungen überführen, die von Kunden tatsächlich genutzt werden. Wir werden unser Flywheel-Konzept ‘Acquire–Engage–Monetise’ weiterverfolgen, in dessen Mittelpunkt eine wachsende und sehr aktive Kundenbasis steht. Wir prüfen, wie wir alle Bereiche des Modells verbessern können, wie KI-Plattformen wie RAIA die Interaktion mit Kunden unterstützen können und wie wir Kunden noch stärker dabei helfen können, Vermögen aufzubauen. Ebenso wichtig wird es sein, als Gruppe die richtigen Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen bereitzustellen, die eine zentrale Säule des Wirtschaftswachstums in der Region bilden.