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Eine 3D-Illustration zeigt große grüne „ESG“-Buchstaben auf weißem, gemustertem Untergrund. Daneben befinden sich ein gelber Block mit einem schwarzen „X“ und ein weißer Block mit der Aufschrift „CO2“. Die Szene ist minimalistisch gestaltet, mit neutralem Hintergrund und farblichen Akzenten.

Von der Lieferkette in die Finanzierung: Wie RBI und Klim KPI linked Loans neu denken

Wie RBI und Klim Lieferkettenrisiken adressieren, Scope‑3‑Emissionen messbar machen und Nachhaltigkeit über KPI‑linked Loans in die finanzielle Steuerung von Lebensmittelunternehmen integrieren.

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Volatile Lieferketten, steigende Kosten und wachsende regulatorische Anforderungen stellen große Lebensmittelunternehmen zunehmend vor strukturelle Herausforderungen. Besonders der Klimawandel wirkt dabei als Risikotreiber entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der landwirtschaftlichen Produktion bis zur Finanzierung. Ein Großteil dieser Risiken und Emissionen entsteht in Scope 3, also bei indirekten Emissionen entlang der Lieferkette, etwa in der landwirtschaftlichen Erzeugung von Rohstoffen. Genau dieser Bereich ist für Unternehmen besonders relevant – und zugleich bislang schwer messbar und steuerbar.

Mit der gemeinsam von der RBI und Klim entwickelten KPI linked Loan Lösung rückt Scope 3 erstmals systematisch in den Fokus der Unternehmensfinanzierung. Durch klar definierte, messbare und überprüfbare Kennzahlen wird es möglich, Investitionen in resilientere und nachhaltigere Lieferketten direkt mit Finanzierungskonditionen zu verknüpfen. Im Interview erläutern Markus Ecker, Head of Sustainability Finance bei der RBI, und Robert Gerlach, Geschäftsführer von Klim, warum Scope 3 zum zentralen Hebel für Risikomanagement, Wettbewerbsfähigkeit und Transformation im Lebensmittelsektor wird – und welche Rolle datenbasierte Kooperationen zwischen Banken und Technologiepartnern dabei spielen.

Herr Ecker, große Lebensmittelunternehmen stehen heute unter hohem Druck durch volatile Lieferketten, steigende Kosten und regulatorische Anforderungen. Wo sehen Sie aktuell die größten Nachhaltigkeitsrisiken – und wie setzt die von der RBI entwickelte KPI‑linked‑Loan‑Lösung genau an diesen Herausforderungen an? 

Markus Ecker: Der Klimawandel hat ganz konkrete Auswirkungen auf die Lebensmittelproduzenten, die auf stabile Produktionsmengen angewiesen sind. Trockenheit und Überschwemmungen, die eindeutig dem Klimawandel zugeordnet werden müssen, verursachen bereits heute instabile landwirtschaftliche Erträge. Aus Sicht einer Bank sehen wir daher drei zentrale Risikodimensionen: Erstens Lieferkettenrisiken, die durch den Klimawandel und geopolitische Faktoren zunehmen. Zweitens Kostenrisiken durch volatile Agrarrohstoffe. Und drittens regulatorische Risiken im Zusammenhang mit steigenden Anforderungen an Transparenz und Emissionsreduktion.

Unsere KPI-linked-Loan-Lösung setzt genau hier an, indem sie die Finanzierung und die Stabilisierung der landwirtschaftlichen Produktion miteinander verbindet. Wir ermöglichen es unseren Kunden, gezielt in die Resilienz und Nachhaltigkeit in ihren Lieferketten zu investieren, während gleichzeitig klare, messbare Nachhaltigkeitsziele in die Finanzierungsstruktur integriert werden. Klim bringt dabei das fachliche Know-how ein, um diese Ziele zu erreichen und auch die Emissionen zu reduzieren. 

Im Rahmen der neuen Finanzierungslösung liegt der Fokus bewusst auf Scope‑3‑Treibhausgasemissionen. Können Sie kurz erläutern, was Scope 3 bedeutet – und warum dieser Bereich bei der Strukturierung von KPI‑linked Loans für große Lebensmittelunternehmen eine zentrale Rolle spielt?

Ecker: Scope-3-Emissionen umfassen alle indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, zum Beispiel aus der landwirtschaftlichen Produktion. Gerade im Lebensmittelsektor machen sie den Großteil der Gesamtemissionen aus. Bei der Umstellung von konventioneller auf regenerative Landwirtschaft in der Lieferkette werden dabei nicht nur die Erträge stabilisiert, sondern auch die Emissionen verringert, da mehr Kohlenstoff in den Böden gebunden wird. KPI-linked-Loans ermöglichen es den Unternehmen schließlich, für diese Emissionsreduktion belohnt zu werden. 

Warum reicht es aus Sicht der Banken heute nicht mehr aus, nachhaltigkeitsgebundene Finanzierungen ausschließlich auf Scope 1 und 2 zu stützen?

Ecker: Scope 1 und 2 decken nur die direkten Emissionen und Energieverbräuche eines Unternehmens ab. Im Lebensmittelsektor ist ihr Anteil jedoch vergleichsweise gering. Eine ausschließliche Fokussierung darauf würde daher wesentliche Emissionsquellen ausblenden.

In den von uns strukturierten Transaktionen achten wir deshalb darauf, auch die Lieferkette zu berücksichtigen, da dort – nicht nur bezogen auf Emissionen – der größte Nachhaltigkeitsimpact liegt. Das spiegelt sich auch in den Nachhaltigkeitsstrategien unserer Kunden wider.

Herr Gerlach, Scope‑3‑Emissionen in der Lebensmittelproduktion entstehen entlang der Lieferkette. Warum liegt aus Ihrer Sicht hier der größte Hebel für messbare Verbesserungen – gerade bei großen, international aufgestellten Unternehmen? 

Robert Gerlach: Für Lebensmittelunternehmen entstehen die meisten Emissionen nicht im eigenen Betrieb, sondern entlang der Lieferkette, vor allem auf landwirtschaftlicher Ebene. Das liegt daran, dass zentrale Emissionstreiber wie Düngemitteleinsatz, Bodenbearbeitung oder Tierhaltung direkt auf Betriebsebene entstehen und sich über große Flächen und viele Betriebe hinweg summieren. Gleichzeitig ist dieser Bereich bisher am wenigsten gesteuert, weil Daten fehlen und Maßnahmen schwer skalierbar sind. Der Hebel liegt deshalb in Scope 3: Wer hier ansetzt, kann nicht nur Emissionen reduzieren, sondern auch die Stabilität und Profitabilität der eigenen Lieferketten verbessern. Denn Maßnahmen zur Reduktion von Scope-3-Emissionen – etwa durch regenerative Praktiken – führen zu gesünderen Böden, einer geringeren Abhängigkeit von volatilen Betriebsmitteln wie Dünger oder Pflanzenschutz und stabileren Erträgen. Das reduziert Kostenrisiken, erhöht die Planbarkeit und wirkt sich direkt positiv auf die Risiko- und Kostenstruktur aus.      Für große, international aufgestellte Unternehmen ist Scope 3 deshalb kein reines Nachhaltigkeitsthema, sondern ein zentraler Faktor für Resilienz und langfristige Wettbewerbsfähigkeit und zur Steigerung der eigenen Unternehmensbewertung.

Für große Unternehmen – und ebenso für ihre Banken – ist Verlässlichkeit von Daten entscheidend. Wie stellt Klim sicher, dass Scope‑3‑KPIs nachvollziehbar, konsistent und bankfähig erhoben und bewertet werden? 

Gerlach: Der entscheidende Punkt ist, dass die Daten nicht nur erhoben, sondern auch standardisiert, übersetzt und verifiziert werden. Bei Klim arbeiten wir dafür mit einer digitalen Monitoring , Reporting  und Verifikationsplattform (MRV). Sie erfasst landwirtschaftliche Praktiken auf Betriebsebene, bewertet diese agronomisch und übersetzt sie in messbare Leistungskennzahlen, zum Beispiel in Bezug auf Bodengesundheit, Emissionen, Biodiversität, Wirtschaftlichkeit und Resilienz. Gemeinsam mit der RBI haben wir auf dieser Grundlage zwölf KPIs entwickelt, die genau diese Faktoren quantifizierbar und für Finanzierungsentscheidungen nutzbar machen. Die Daten werden entlang der Lieferkette aggregiert und nach klar definierten Methoden bewertet, sodass sie für Unternehmen und Banken gleichermaßen nutzbar sind. Für Finanzierungsmodelle ist entscheidend, dass die KPIs konsistent, nachvollziehbar und auditierbar sind. Nur dann können sie tatsächlich in Kredite integriert werden. Genau diese Brücke schlagen wir: von operativer Umsetzung auf dem Feld hin zu evidenzbasierten Kennzahlen.

Herr Ecker, welche konkreten Vorteile ergeben sich für große Lebensmittelunternehmen, wenn sie Scope‑3‑KPIs über KPI‑linked Loans in ihre Finanzierungsstruktur integrieren – etwa im Hinblick auf Kreditkonditionen, Risikomanagement und regulatorische Anforderungen? 

Ecker: Investitionen in die Produktstabilität sind für diese Industrien aufgrund des Klimawandels unvermeidbar. Wenn diese Investitionen nachvollziehbare und messbare Umwelteffekte bewirken, ergeben sich für unsere Kunden zusätzliche konkrete Vorteile. Einerseits können Finanzierungskonditionen an messbare Fortschritte gekoppelt werden, wodurch ein direkter finanzieller Anreiz geschaffen wird.

Andererseits stärkt die Integration von Scope-3-KPIs das Risikomanagement, da Unternehmen ihre Lieferketten besser verstehen und steuern können. Gleichzeitig erfüllen sie frühzeitig regulatorische Anforderungen, die auch nach den Omnibus-Einschränkungen weiterhin auf große Unternehmen zukommen werden. 

Warum hat sich die RBI bei der Entwicklung dieser KPI‑linked‑Loan‑Lösung für eine Kooperation mit Klim entschieden? 

Ecker: Für uns als Bank ist es nicht nur entscheidend, dass die Emissionen gesenkt werden, sondern auch, dass die gesetzten Ziele materiell, messbar und verifizierbar sind. Hier bringt Klim den Mehrwert.

Neben der fachlichen Beratung ermöglicht Klim, Daten direkt auf Farmebene zu erheben und strukturiert aufzubereiten. Dadurch können wir sicherstellen, dass die KPIs nicht nur konzeptionell sinnvoll, sondern auch extern überprüfbar sind – eine zentrale Voraussetzung für jede nachhaltigkeitsgebundene Finanzierung. 

Welche Rolle können KPI‑linked-Loans künftig bei der Transformation großer Lebensmittelunternehmen spielen? 

Gerlach: KPI-linked Loans haben das Potenzial, Nachhaltigkeit aus der reinen Berichtsebene in die finanzielle Steuerung von Unternehmen zu überführen. Bisher werden viele Nachhaltigkeitsziele definiert, haben aber oft keinen direkten Einfluss auf Investitionsentscheidungen. Durch die Verknüpfung mit Finanzierungskonditionen entsteht ein konkreter wirtschaftlicher Anreiz. 

Das ist besonders relevant für Scope 3, weil hier Investitionen in der Lieferkette notwendig sind, zum Beispiel in die Umstellung landwirtschaftlicher Betriebe auf regenerative Landwirtschaft. Wenn diese Investitionen mit besseren Finanzierungskonditionen verknüpft werden, wird Nachhaltigkeit zu einem Teil der Kapitalallokation und nicht nur der Kommunikation. Langfristig können solche Instrumente dazu beitragen, dass sich regenerative Praktiken nicht nur aus ökologischer Sicht, sondern auch betriebswirtschaftlich durchsetzen.

Wie wird sich die Bedeutung von Scope‑3‑KPIs in der Unternehmensfinanzierung weiterentwickeln? 

Ecker: Die Bedeutung von Scope-3-KPIs wird weiter zunehmen, da sie den Großteil der Emissionen vieler Branchen abdecken.

Für Banken bedeutet das, dass wir unsere Finanzierungsinstrumente zunehmend auch darauf ausrichten werden. Wir wollen die Transformation entlang der gesamten Wertschöpfungskette begleiten. Unternehmen, die frühzeitig belastbare Scope-3-Strukturen etablieren, werden dabei mittelfristig Vorteile beim Zugang zu Kapital und in der Wahrnehmung durch Investoren haben.

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