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Man sitting in a conference room

„Die Ukraine baut nicht nur Zerstörtes wieder auf, sondern gestaltet bereits mit modernsten Technologien ihre Zukunft.“

Rainer Schnabl, Vorstandsmitglied für den Bereich CIB Products & Solutions bei der Raiffeisen Bank International (RBI), hat im Juni an der Ukraine Recovery Conference 2026 (URC) in Danzig teilgenommen. In diesem Interview teilt er seine Erkenntnisse von der Veranstaltung und verknüpft sie mit seinen Erfahrungen, die er während seiner Jahre in Bosnien und Herzegowina gesammelt hat.

  • Rebuild with Ukraine

Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse von der Ukraine Recovery Conference 2026?

Das war meine erste URC und ich war wirklich beeindruckt. Es war faszinierend zu sehen, wie die Konferenz verschiedene Ebenen der Zusammenarbeit fördert – von strategischen Diskussionen und Bekenntnissen von Regierungen und internationalen Institutionen zur Zusammenarbeit bis hin zu Praxisprojekten und Investitionsmöglichkeiten.

Wir haben die Ausstellung besucht, wo innovative Unternehmen Technologien präsentierten, mit denen sie völlig neue Märkte für die Ukraine erschließen. Eines der beeindruckendsten Beispiele war die KI-gestützte Reconstruction Intelligence Platform* des Ministeriums für die Entwicklung von Gemeinden und Regionen, die künstliche Intelligenz nutzt, um den Wiederaufbau von Gemeinden zu modellieren, Investitionsmöglichkeiten zu identifizieren und die Planung zu beschleunigen. Das zeigt, die Ukraine baut nicht nur Zerstörtes wieder auf, sondern gestaltet bereits mit modernsten Technologien ihre Zukunft.

Wir haben auch viele unserer bestehenden Kunden aus der Ukraine getroffen. Es war inspirierend, ihre Unternehmen, ihre Ambitionen und ihre langfristige Vision – trotz der schwierigen Umstände, in denen sie sich befinden – zu sehen.

Der stärkste Eindruck, den ich von der URC mitgenommen habe, war der Geist einer langfristigen Partnerschaft. Es geht nicht mehr nur darum, die Herausforderungen von heute anzugehen. Die Ukraine und ihre internationalen Partner planen bereits die Wirtschaft der Zukunft und schaffen die Grundlage für langfristige Investitionen.

Sehen Sie bereits konkretes Potenzial für neue Partnerschaften und Investitionsprojekte?

Auf jeden Fall. Wir sehen bereits, wie dieses Potenzial in praktische Zusammenarbeit übergeht.

Wir arbeiten eng mit öffentlichen Institutionen in der Ukraine sowie mit österreichischen Partner:innen zusammen, die den Wiederaufbau der Ukraine unterstützen, darunter Regierungskoordinator Wolfgang Anzengruber, die WKÖ, die OeKB und andere Institutionen, die die Rahmenbedingungen für zukünftige Investitionen schaffen.

Dank der beachtlichen Präsenz der RBI und der Tatsache, dass wir schon lange vor dem Krieg die größte in der Ukraine tätige internationale Bank waren, sowie dank unserer breiten Produktpalette sind wir gut aufgestellt, um internationales Kapital, lokales Fachwissen und die Bedürfnisse ukrainischer Unternehmen in Verbindung miteinander zu bringen. Dies wird uns helfen, Investitionsmöglichkeiten in konkrete Projekte zu verwandeln.

Sie sind kürzlich nach Österreich zurückgekehrt, nachdem Sie als CEO der Raiffeisen Bank in Bosnien und Herzegowina tätig waren. Gibt es Erfahrungen aus diesem Land, die für die Ukraine wertvoll sein könnten?

Tatsächlich weisen die Erfahrungen Bosnien und Herzegowinas – und allgemein des Balkans – beim Wiederaufbau nach dem Krieg gewisse Parallelen zur aktuellen Situation in der Ukraine auf. Einer der größten Vorteile der Erfahrungen aus Bosnien und Herzegowina besteht darin, dass wir heute die langfristigen Auswirkungen der unmittelbar nach dem Krieg getroffenen Entscheidungen einschätzen können. Dies bietet eine einzigartige Gelegenheit, aus den Erfahrungen eines anderen Landes zu lernen und zu vermeiden, dieselben Fehler zu machen.

Group of people in front of a URC photo wall

Aus Ihrer Erfahrung in Bosnien und Herzegowina – Sie haben dort mit vielen Kunden, Unternehmern und Amtsträgern gesprochen – was haben diese am häufigsten zum Wiederaufbau nach dem Krieg gesagt? Was könnten die wichtigsten Erkenntnisse für die Ukraine sein?

Eine Erkenntnis, die ich immer wieder gehört habe, ist, wie wichtig es ist, Reformen sehr zügig voranzutreiben. Der rasche Aufbau starker Institutionen, einer transparenten Führung und eines berechenbaren Geschäftsumfelds ist entscheidend. Investoren suchen nach Vertrauen und Vorhersehbarkeit. Transparente Regeln, starke Institutionen, wirksame Instrumente zur Risikominderung und zuverlässige lokale Partner sind allesamt entscheidend.

Darüber hinaus sollte der Privatsektor von Anfang an einbezogen werden. In Bosnien und Herzegowina wurden viele erfolgreiche Wiederaufbauprojekte von Unternehmer:innen und Unternehmen vorangetrieben, die Arbeitsplätze schufen, die Wirtschaftstätigkeit wiederbelebten und den Menschen Gründe gaben, zu bleiben und in ihre Gemeinden zu investieren. Der Wiederaufbau ist am stärksten, wenn öffentliche Mittel und private Initiative Hand in Hand gehen.

Drittens ist internationale Unterstützung unerlässlich, entfaltet jedoch den größten Nutzen nur, wenn sie dazu beiträgt, privates Kapital zu mobilisieren, anstatt es zu ersetzen. Die Schaffung bankfähiger Projekte, klarer Investitionsregeln und wirksamer Mechanismen zur Risikoteilung kann im Laufe der Zeit deutlich größere Investitionsströme freisetzen.

Wie bewerten Sie Ihre Zusammenarbeit mit internationalen Finanzinstitutionen, Entwicklungsbanken und Exportkreditagenturen bei der Unterstützung des Wiederaufbaus der Ukraine?

Unsere enge Zusammenarbeit mit supranationalen Institutionen, Entwicklungsbanken und Exportkreditagenturen ist eine der tragenden Säulen des Wiederaufbaus der Ukraine. Wir schätzen unsere langjährigen Partnerschaften sehr, insbesondere im Bereich von Risk-sharing-Programmen und maßgeschneiderten Finanzierungslösungen, die es uns ermöglichen, Kunden auch in einem schwierigen Umfeld zu unterstützen.

Die Ergebnisse der URC 2026 zeigen deutlich, was durch diese Partnerschaften erreicht werden kann. Gemeinsam mit der EBRD hat die Raiffeisen Bank in der Ukraine drei neue Finanzierungsinstrumente eingeführt, darunter eine zusätzliche Risk-sharing Facility in Höhe von 50 Millionen Euro, den ersten First-Loss-Risikoteilungsmechanismus der Ukraine für Investitionsprojekte sowie eine neue, von der EU unterstützte Initiative zur Gewährung von Zuschüssen zur Deckung von Kriegsrisiken. Parallel dazu unterzeichnete die Raiffeisen Bank in der Ukraine eine Absichtserklärung mit der IFC zur Entwicklung eines neuen Risk-sharing-Programms in Höhe von 100 Millionen Euro, das den Zugang zu Finanzmitteln für ukrainische KMU und mittelständische Unternehmen erweitern soll.

Eine der ermutigendsten Entwicklungen ist, dass diese Kooperationen kontinuierlich ausgebaut werden. Während der URC haben wir auch Gespräche mit Institutionen aus Italien, Deutschland, Großbritannien und anderen Ländern geführt. Das zeigt, dass unsere Zusammenarbeit weit über die Märkte hinausgeht, in denen die RBI Tochterbanken betreibt. Darüber hinaus sind wir über unsere Repräsentanzen in der Lage, Kunden mit Finanzierungsmöglichkeiten in ganz Europa zusammenzubringen.

Welche Rolle können internationale Banken beim Wiederaufbau der Ukraine spielen?

Zwar sehen wir bereits viele internationale Unternehmen, die sich auf die Gestaltung der Zukunft der Ukraine vorbereiten – indem sie den Markt sondieren, Partnerschaften aufbauen und Investitionspipelines entwickeln –, doch benötigen sie dafür vorhersehbare und solide wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Hier kann die Rolle internationaler Banken über die reine Bereitstellung von Finanzmitteln hinausgehen. Wir sehen unsere Aufgabe auch darin, Kund:innen bei der Strukturierung von Projekten zu unterstützen, internationale Finanzinstitute, Exportkreditagenturen und private Investoren miteinander zu vernetzen sowie Finanzierungslösungen zu entwickeln, die Investitionen bankfähig und langfristig nachhaltig machen.

* Weitere Informationen zur Reconstruction Intelligence Platform, finden Sie unter: https://t.me/OleksiiKuleba

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